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Die Währungs-Debatte im englischen Unterhaus vom 17. März 1896
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deutete, deshalb, ivcil auch das konservative Ministcrinm dem entschiedenenFestl>alten der Handels- und Finanzkrcise an der Goldwährung Rechnungtragen müsse.

Zu ähnlichem Sinne legte im November 1895 einer der Bimetallisten(Moreton Frcwen) dar, daß sie die Aufgabe der Rehabilitierung desSilbers den andern Ländern ansgebürdet sehen möchten, für England selbst aber jeden Gedanke an eine Gefährdung der Goldwährung zurück-wiesen. Es ist das der fast schon zwei Jahrzehnte alte Goschcn'sche Ge-danke, die Borteile von der Hebung des Silberwertes einzuheimsen, diehiesür notwendigen Kosten aber die andern Nationen d, h, in erster LinieDeutschland zahlen zn lassen. Um zu zeigen, daß es diesmal den Eng-ländern mit dem Bimetallismus aufrichtiger Ernst sei, wurde am 10, De-zember 1895 in Paris eine sogenannte internationale Konferenz abgehalten,deren Beratung, uach dem Zeugnis der Herren Kardorff, Mirbach, Mö-lme und Genossen, bei allen Teilnehmern den begeisternden Eindruck schönsterEinigkeit, namentlich zwischen ihnen nnd ihren englischen Gesinnungsgenossenhervorrief,Tie internationale Besprechung der drei Ligucn", hieß eS,hatdie Ziele und die zur Erreichung erforderlichen Mittel klargelegt, das Problemrichtig gestellt nud spruchreif gemacht," Was cS aber mit dieser angeblichenKlarlegnng der Ziele nnd Mittel in der That für eine Bewandtnis hatte,ging schon daraus hervor, daß, Zeitungsberichten zufolge, die englische Re-gierung ans eine von dem deutschen Reichskanzler ergangene Anfrage hin nichteinmal die Wiedereröffnung der indischen Münze in Aussicht gestellt hatte,

Daneben handelte cS sich noch um die offenstehende Frage: wiewird der deutsche Bundesrat dem Antrage deS deutschen Reichstags vom16, Februar 1895 auf Einberufung einer internationalen Währnngs-konfcrenz Rechnung tragen? worin wird die auf der Pariser Bimetallisten-Konferenz angekündigteAktion" bestehen? Am 8. Februar 1896 gabder Reichskanzler die Erklärung ab, daß die verbündeten Regierungeneinstimmig den NeichStagScmtrag abgelehnt hätten. Nachdem kurzzuvor, am 17, Januar, im "Reichstag daS andere dergroßen Mittel",nämlich der Autrag Kcmitz, betr, Monopolisierung deS GetrcidehandelSmit großer Mehrheit abgelehnt worden war, fand eS allerdings der Reichs-kanzler für geraten, die Haltung des Bundesrats mit der Reserve zu be-gründen, welche sich die englische Regierung auferlege, er fügte hinzu, daß,wenn von Seiten eines anderen Staates annehmbare, erfolgversprechende,programmatische Vorschläge gemacht werden sollten, er seinerseits gern bereitsein würde, die Beteiligung Deutschlands an einer internationalen Be-ratung solcher Vorschläge iu Aussicht zu nehmen,"

lieber die Art, wie daS englische Kabinet vom Reichskanzler wegen derWiedereröffnung der indischen Münzstätten befragt worden war, fand am 7.und 15, Februar 1896 im preußischen Abgeordnetenhaus und im Reichstagam 1l, dess, Mts, eine Debatte statt, die aber mehr nnr als ein Borgefechtfür die angekündigte große Währungsdebatte behandelt wurde. Daß fürden März die Ausführung der Pariser Konferenzbeschlttsse bevorstand,wurde fast täglich von den bimetallistischcn Organen versichert, wohinaber diese Beschlüsse zielten, als Geheimnis gehütet.

Die große internationale Aktion nun bestand in dem gemeinschaftlichenEinbringen einer fast gleichlautenden, ganz unverfänglich anf Festlegung desSilberwertes lautenden Resolution, durch deren Annahme der Schein er-weckt werden sollte, als seien sämtliche Parlamente der Großmächte mit