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Die Währungs-Debatte im englischen Unterhaus vom 17. März 1896
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mancher sachverständigen Kreise von der ^ilberschwärmerei: Rußlands Uebergaug ziir (Goldwährung ist nur ein beachtensivertes Zeichen von dieserallgemeinen Eutivickeluug.

Angesichts dessen entbehrt es nicht eines klinischen Beigeschmacks,wenn man sich daran erinnert, welche Mühe es sich die Bimetallisteutosten ließen, um aus den früheren Erklärungen Balsours vom Anglistund September 1895, sowie vom Februar 1896 einen ihnen genehmenSinn herauszubekommeu, und wie die deutsche Presse, die solchen DeutuugS-Kunststückeu nicht zu folgen vermochte, mit einer Flut von Bvrwürfeuüberseutenziöfe Entstellung von Thatsachcn" oder geradezu über ihreVerlogenheit" überschüttet wnrdc.

Auch verdient festgehalten zu werden, wie vor dem 17. März 1896die Lage der Dinge von den deutschen Doppelwährungsmäuncrn aufgefaßtwurde. Beispielsweise brachte am 12. März 1896 dieBerliner Börscn-zeitnng" folgende Proklamation auS der Feder eines der bimetallistischenWortführer:Wenn das englische Unterhans diesen Antrag zum Beschlusterhebt, so sind die Diskussionen über die thcoreusche Wiihrnngsfrage abge-schlossen und die praktischen Lösuugsversuche werden zu einer Aufgabe, welchedie Kabinete ersüllen müssen . . . Andererseits leugnen wir nicht, das; die Ab-lehnung dieses Antrages im Uuterhcmsc die Hoffnungen auf Erledigung derWähruugswirreu anf Jahr nud Dag hinausschieben müßte. Ohne Eni,tands Beteiligung ist nichts mehr für den Bimetallismusdurchzusetzen. Die Abstimmung am 17, März hat deshalb entscheidendeWichtigkeit," Schon in der Titzuug des preußischen Abgeordnetenhauses vom21. Mai 1895 hatte Arendt geäußert:Jetzt ist England so weit, daß wir aufden Sieg der Bimetallisten dort rechnen können. Sollten wir uns irren, soist das ja unser Unglück." Am 6. Februar 1896 zeichnete dasDeutscheWochenblatt" die Sachlage folgendermaßen:Die deutsche Goldpartei hatselbst die Währungsfrage von der Entscheidung Englands abhängig ge-macht, sie that dies in der sicheren Ucberzcngnng, daß England niemalsfür den Bimetnllismus gewonnen wird: irrt sie hierin, so ist ihre Sacheverloren." Tatsächlich verhielt es sich zwar umgekehrt: die Bimetallistenhatten dem Einwand, daß das Projekt eines Dcppelwährungsbnudes über-haupt indiskutabel sei, solange England an der Goldwährung festhalte,den Sinn unterlegt, als ob jede weitere Diskussion abgeschnitten sei, so-bald England ein Zugeständnis mache. Diese tendenziöse Unterstellungfollte zugleich iu England den Anschein erwecken, als ob der Bimctnllis-mns, sobald es mir mitthuc, überallaufs freudigste begrüßt" würde.Mit diesem Hiutergcdaukeu gaben die Silberfrennde, nm diesseits wie jenseitsdes Kanals einen Druck auf die große Zahl der Schwankenden auszuüben,die Parole aus:Tie Wnhrungsfrage wird mir mit England oder gar nichtgelöst." Die Anhänger der Doppelwährung iz. B, derDeutsche Bimetallifteu-buud" iu seinem Beschluß vom Mai vorigen Jahres) waren es, die in allenihren Anträgeniu Anbetracht, daß die bimetalliftische Bewegung iu England dem Siege nahe sei", jede Aktion von der Mitwirkung Englands abhängiggemacht hatten. Indem aber nunmehr England seine Mitwirkung versagt,hat der Bimetallismus das gegen ihn ergangene abweisende Urteil selbstunterzeichnet.

Bor vier Jahren, 1892, bot die indische Regierung alles auf,um die Regierung des Mutterlandes für die Förderung einer inter-nationalen Währnngskonserenz zu gewinnen. Die damaligen Perhand-