— 12 —
fall und durch die Erschütterung des allgemeinen Vertrauens, sowie durchdie zunehmende Vorliebe des Publikums für den Gvldgebrauch uud den Ueber-gong der Hanpthandelsstaaten zur Goldwährung au Boden verloren hat.
WaS die andere Behauptung Balfonrs anbelangt, daß die bime-tallistische Propaganda iininer mehr Bekennen gewinne, so liegt dagegenin seinem eigenen Verhalten die beste Widerlegung. Immer wurde Bal-four von den Biuietallistcu uicht nur als Realpolitiker, sondern fort-während mich als klassischer Zenge für das Vordringen der bimctallisti-schcn Theorie iu England gefeiert; jede seiner vielen Frühjahrsrcdenwurde als angebliche Resonanz der dortigen öffentlichen Meinung ver-wertet. Beispielsweise lies? sich nach der Londoner Konferenz im Mai1894 das „Deutsche Wochenblatt" also vernehmen' „Die Haupt-bedeutung der Verhaudluugeu liegt unzweiselhast iu der Rede, welcheHerr Balfour hielt; Balsour ist der kommende Mann , , , Wenn so derMann spricht, der, nach allgemeiner Ansicht, bald an der Spitze des eng-lischen Staates stehen wird, so wird man annehmen können, daß diebimetallistische Sache in England weiter ist, als der deutschen Goldparteiund der ihr ergebenen Presse lieb ist," Eine weitere Rede Balfours, dieer am 3. April 1895 hielt, wurde sosort (z. B. auch von Graf HerbertBismarck) als Beweis für den Umschwung angesührt, der angeblich inder öffentlichen Meinung Englands zu Guusteu des Äimetallismus ein-getreten sei. Dementsprechend drehte sich das Hauptinteresse au der neuestenRede Balfours nm die Frage: wie ist denn diesmal nach BalfonrS Wortender Stand der öffentlichen Meinung Englands ? Und die unumehrige Er-klärnng Balfonrs ist derart, daß sie den besten Beweis dafür abgiebt, daßder so oft behauptete Umschwung sich nicht vollzogen hat. Schon am8, Februar 1896 hatte Balfour gegenüber einer Depntation der Land-wirte der östlichen Grasschaften, die meinte, das englische Ministcrinm solleauf die auswärtigen Nationen einen Druck zu Guusteu der internationalenWährungskonferenz ausüben, daraus hiugcwiseu, daß die Hindernisse, dieeiner Lösung der Frage im Wege stünden, nicht bei den auswärtigenNationen, soudern bei der englischen selbst liegen („I sxs»K uat on debült'ok tluz Liovsrnmöirt in Ibis m»ttsr . . , Lut I woulcl ss,^ elistinetlvtblrt ilrs. obst^els iu tbe vvg.^ c>f earr^inK out currency i-stoi'ms äoesnot comk troiu toi-siZ'ii eountriks. ?Iik obstncls is u,t, Iioms^.)Die gleiche Bemerkung wiederholte Balsour im englischen Unterhaus am17, März 1896; uuu konstatierte er selbst, daß sich dieser Umschwungnoch nicht vollzogen habe, und stellte zudem sein praktisches Verhaltenin Widerspruch zn seinen volltönenden Worten, Daß Balfonr dabei dasVerharren der englischen Nation bei der traditionellen Währung be-dauert, ist nur der akademische Ausdruck einer privaten, persönlichen Em-pfindung, während von ihm als gcschäftsführendem Minister ein praktischerBorschlag erwartet wurde; es war dies der Augenblick, da sich zeigensollte, ob die Einführung der Dovpelwährnng wirklich ciueu Programm-pnukt des konservativen ^abinets bilde. Aber auch in diesem cntscheiden-Augenblick hatte er mir wieder die gleichen theoretischen Darlegungen zurHand, die er schon früher reproduziert hatte. Deutlicher als durch diesenichtssagende Ertlärnng läßt sich der wahre Eharakter des englischen Bi-mctallismus, wie der biinetailistischcn Treibereien überhaupt wohl nichtoffenlegen. Der von Balfour vielberufeue Umschwung der öffentlichenMeinung ist iu der That eingetreten, aber in dem Sinue der Ernüchterung