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1895,, 8. Februar 189ti, gehalten hat. Ist eine Eiuscljaltuug erlaubt,so darf man vielleicht bemerken, das? ein Parteiführer, der iuimer mirWarten nm sich wirft, als habe er die Wissenschaft allein gepachtet,und der sich van feinen Wählern und Gesinuuugsgeuasseu als der Bahn-brecher sür eine heilbringende Reform gefeiert sieht, dach in einem eigentümlichen Vichte erscheint, wenn er auch als Äciuistcr nnn ivieder diegleiche 3i"ede der früheren Jahre wiederholt. In seiner diesmaligen Redefindet sich nur ein neuer Gesichtspunkt: er meint nämlich, England habezur Einfiihrimg der Doppelwährung sein billiges Teil auf sich genommen,wenn es die indischen Münzstätten wieder ösfne, insofern die BevölkerungIndiens großer sei, als die Bevölkerung Teutschlands, Frankreichs nndder Bereinigten Staaten zusammen. Indes handelt es sich bei der Münz-nnion nicht nm Personen, sondern um den Berkehr, nicht nm die Kopf-zahl der „Konsumenten" und nicht etwa nm Matriknlarbeiträge, sondernin erster Änie um den Weltmarkt London , dann um die internationaleKonkurrenz, nm den llmsang des Berkchrs und um die Zahlungsbilanzeines Landes und seine internationale Bedeutung auf dem (Geldmarkt;Indien hat an Silber- und Papiergeld pro Kopf kanm 19 Mark, im ganzen2 Milliarden Mark Silbergcld, wovon dazn noch das meiste thesanriertist. Tie Goldwährnngsstaaten haben, ohne England, 12 Milliarden Marl an Gold, 8 Milliarden Mark an Silber, 11'/- Milliarden Mark auPapiergeld oder 7V Marl pro Kops. Mit dem gleichen Recht hätte Balfonrversprechen können, Ehina, das noch eine viel größere Bevölkerung hat,zur Silberprägnng bewegen zu wollen. —
Wie seit Jahren so beschränkte sich auch diesmal Balfonrs Redeiu der Hauptsache ans die Behauptung, es liege gegenüber dem internatio-nalen Bimctallismns eine Interessen-Solidarität der Böller nnd einUmschwung der öffentlichen Meinung vor.
Was die angebliche Interessen-Solidarität aubelaugt, so muß esmit ihr eine eigene Bewandtnis haben, sonst hätte sie doch ihr Herold lBal-four) gleich praktisch durch das Angebot irgend eines Opfers oder Risikosbethätigt, das England für das Endziel des Bimctallismns anf sich nehmenwürde. Balfonr tonnte dies nicht, weil nur thatfächlich das Gegenteileiner Solidarität, nämlich einen unvereinbaren Widerstreit zwischen denSonder-Jnteressen der Silberprodnzierenden nnd Silberkaufeudeu, derSchulduer- und (Gläubigerstaaten, vor uns haben. Je nachdem nämlichder Silberwert nach seinem früheren Stand von 189 Mark pro Kilo odernach seinem heutigen Stand von 90 Mark pro Kilo zn Grunde gelegtwürde, müßten entweder Frankreich und Nordamerika an ihren Silber-vorräten oder Deutschland nnd England an ihren gegen das Auslandlausenden Guthaben beträchtliche Einbußen erleiden. Ob und wie dieselbendnrch die Befestigung deS Silberwerts einen Ausgleich erfahren würden,ist fchr unsicher. Keiner der interessierten Staaten, am allerwenigstenEngland , ist veranlaßt, dem Silber — oder, wie Balfonr meint, derZivilisation — zuliebe Opfer für deu anderu auf sich zu nehmen, Fu alldiesen Punkten stehen sich direkt die Interessen zweier Parteien gegenüber,die, wie alle Geld- nnd Machtiuteressen dnrch bloße Gefühlsphrasen nichtausgeglichen werden können. Dieser Interessengegensatz, der noch anf alleninternationalen Müuzkonferenzen, namentlich anf der letzten in Brüssel von1892 klar zu Tage getreten ist, hat sich nnn von Jahr zu Jahr vcrschärst,und zwar um so mehr, je mehr das Silber dnrch seinen enormen Preis-