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ja für jedes Land nb und zu eine ungünstige Zahlungsbilanz, nnd wenneimnnl das Gold für den Export besonders gesucht ist, dauu wird es vonden großen Banken wie auch iu deu Privattreisen zurückgehalten und baldmit Agio gehandelt. Der Doppelwähruugsbuud könnte nicht verhüten, dcistmit Hilfe der Silberfreivräguug der englische Arbitragehandel den Ein-tausch von Gold gegen Silber energisch betreiben, und die Zentralbankender Münzunion in einen Kampf nm Gold mit einander geraten. Daswäre gleichbedeutend mit der Auflösung des Bnndes, und hernach stündedas deutsche Reich, da ein so schwerfälliges Geld, wie das Silbergeld, mitden Bedürfnissen nnsereS entwickelten Krcditverkehrs, sowie mit den An-gewohnheiten unseres Volkes in einem zn großen Widerspruch steht, vorder Gefahr, deu gleiche» Finanz- und Goldkrisen anheimzufallen, wie siein Nordamerika derzeit wiederkehren, Nim halte man vollends dazn,was die Mitglieder der Lateinischen Münznnion ans sich nehmen können,Frankreich muß neben seinem ungeheuren überzähligen Silbervorratauch noch mit den fremden Fünffrankstücken in einem Betrag von über60V Mill, FcS, rechnen, die das Land nicht mehr los werden kann. Diebelgische Regierung, die bei der Liquidation 200-^250 Mill, Fes,, diesie zu viel geprägt hat, von Frankreich zurücknehmen muß, würde dieEinladung, neues Silber zu lausen, kanm erust uehmeu köuueu. Nochweuiger lauu vou Italien die Rede sciu, das mit seinen Finanznöteu,seinem Agio uud seiuer Zettelwirtschast nicht einmal die Mittel zum An-kauf neuen Silbers hat. Mit Recht führt O, Haupt iu Reuters „Finauz-chrmiik" vom 28, März 1896 ans, das? die genannten Staaten mir au deuVerkauf, nicht an den Ankauf vou Silber deuleu Wunen; sämtlichehaben nicht zu weuig, sondern zn viel Silbergcld, teils im Verkehr, teilsin den Zettelbanken, sür die es wegen seiner Entwertung eine mir unge-nügende Deckung bildet. „Man denke einmal, wie sich dieses Ehaos, welchesden Namen Lateinische lluiou trägt, beim Ausbruch eiues Krieges, also ineinem Momente, wo uur Goldgeld mit vollem iuuereu Werte eine Rollespielen wird, gestalten und welche fatale Eutwickelnng alsdann den heuteso sehr verwässerten Valuten beschieden sein würde. Das ist ja geradedas Schlimmste au der Sache, das; auf diese Union überhaupt nicht ge-rechnet werden darf, daß sie vielmehr geschont werden mnß." lind dabeiverlangt das englische Unterhans, daß die Lateinische Union in der Wieder-ansprägnng von Silber vorangehen soll!
Hicnach ist die erste Bedingung für „auuchmbare, Erfolg versprechende,programmatische Vorschläge" Englands Beteiligung, Die Wiedereröffnungder indischen Münzen, die für Indien, wenn nun der Silberpreis ent-sprechend gehoben wird, nicht ein Opfer, sondern einen Vorteil darstellt,bedeutet uur die Wiederherstellung des früheren Standes, bei dem schonans der internationalen Konferenz von Brüssel im Dezember 1892 irgeudein greifbares Resultat nicht erzielt werden konnte. Die Sachlage wäreheute für das Silber sogar noch ungünstiger, da die Einstellung der indischenPrägung ganz unerwartete Resultate gehabt hat uud der Effekt ihrerWiedereröffnung sich gar nicht abschätzen läßt.
Immer bleibt als Hauptfrage: ist etwa beim englischen Volke, abgesehenvon der Regierung, eiu Umschwung eingetreten? In dieser Beziehung istBalfonrs Erklärung bedeutsam. Sie kommt so ziemlich auf die gleicheRede hinaus, die er schon im Oktober 1892 nnd am 5, April 1893, nnddann in jedem Frühjahr der folgenden Jahre ^3. Mai 1894, 3, April