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Zur Vorgeschichte des Praesidentenwahlkampfes in den Vereingten Staaten / von einem Amerikaner
Entstehung
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vom Oberbundesgericht mit fünf Stimmen Mehrheit gegen dreientschieden, derjenige Paragraph des schon erwähnten Legal Tender-Gesetzes, welcher dem Papiergelde Zwangskurs erteilte, sei nichtverfassungsmäßig, soweit es auf schon kontrahierte Schulden an-komme. Präsident Grant und seine Ratgeber wollten es bei diesemUrteil durchaus nicht belassen. Die Stelle eines der Richter, dermit der Majorität gestimmt hatte, war bald nachher vakant ge-worden, und eine neue Richterstelle wurde vom Kongreß geschaffen.Die beiden Stellen wurden nun vom Präsidenten mit zwei Män-nern besetzt, welche ausgesprochene Gegner des Urteils waren, undals es schon im Dezember 1870 zu einer zweiten Verhandlungüber dieselbe Frage kam, wurde das frühere Urteil aufgehoben unddem Papiergelde unbeschränkter Zwangskurs zuerkannt.

Wie diese mehr als fraglichen Eingriffe des höchsten Gerichtesdamals von besonnenen Geistern verurteilt wurden, und wie dasGericht selber an Ansehen durch dieses zweite Urteil verlor, brauchthier nicht näher erwähnt zu werden. Es genüge, darauf hinzu-weisen, daß die Geldverschlechterer bis heute die Berechtigung ge-funden zu haben glauben, sich bei allen ihren Angriffen gegen dieGoldwährung auf die Autorität des höchsten Gerichtes des Landeszu berufen; uud das ungemein hohe Ansehen des Gerichts hatleider sehr dazu beigetragen, falsche Währungsideen im Lande zuverbreiten. Auch ist es kaum zweifelhaft, daß das erwähnte Ur-teil mit Schuld darau ist, daß die Greeubacks noch im Umlauf sind.

Im Jahre 1862 glaubte wohl keines der Kongreßmitglieder,daß die Noten länger als ein paar Jahre nach dem Kriege imUmlauf bleibeu würden. Dies geht klar daraus hervor, daß schonein Jahr nach Beendigung des Krieges der Kongreß ein Gesetz an-nahm (12. April 1866), nach welchem monatlich K 10 Millionenin Noten während der nächstfolgenden 6 Monate und darnachmonatlich K 4 Millionen eingezogen und vernichtet werden sollten.

Hier aber fingen die Farmer an, einen Druck auf den Kon-greß auszuüben und zwar in einem mit einem gesunden Währungs-system unverträglichen Sinne. Die großen Emissionen von Papier-geld während des Krieges im Zusammenhang mit der natürlichenVerteuerung der Waren durch den Krieg, durch den Mangel anArbeitskräften zc, hatten den Farmern große Vorteile gebracht. DiePreise für das Jahr 1860 mit 100 berechnet, waren im Jahre 1866Weizen bis auf 181, Mais auf 138, Baumwolle auf 365, Rindviehauf 217, Schweine auf 162 gestiegen. Da diese Steigerung schein-bar lediglich der Geldvermehrung zu verdanken war, so war es denmeisten Farmern bange, als sie davon reden hörten, man wolle dasliebe Papiergeld wieder verbrennen. Das WortOontraotion", dasdamals in Gebrauch kam, ist bis heute ein Schreckbild für die meistenFarmer. Man will uns, so meinten sie 1866, die Preise unsrerProdukte durch die Oonti'Ävtioii der Umlaufsmittel herabdrücken.