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Zur Vorgeschichte des Praesidentenwahlkampfes in den Vereingten Staaten / von einem Amerikaner
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Währungspolitik wurde einfach preisgegeben, um vermeintlichepolitische Vorteile auf einem anderen Gebiet zu erzielen, dieWährung wurde, wie eine amerikanische Redensart besagt,tI?Ktootlzg.I1 ok izolitios."

Die Republikaner hatten aber mit ihrer Silber- und Finanz-politik weit über das Ziel hinausgeschossen. Mit dem Shermau-gesetz (Juli 1890) hatten sie die ernstliche Befürchtung iu denKreisen der Großfinanz erregt, das Land steuere einem Silbersturzentgegen, eine Befürchtung, welche sich dadurch zu erkennengab, daß die Goldzahlungen für Zölle in das Unterschatzamt zuNew-Iork von über 90°/° im Juni 1890 bis auf 12°/o im gleichenMonat 1891 zurückgingen. Das frei verfügbare Gold im Schatz-amt,- d, h, der Goldbestand nach Abzug der umlaufendenGoldcertisikate stand bei dem Amtsantritt Harrisons aufK 196 000 000; am Schluß seiner Amtsperiode (4, März 1893)war es auf K 103 000 000 zurückgegangen; mit anderen Worten,man sah sich fast schou in die Zwangslage gesetzt, die Goldreservevon K 100 Millionen zur Einlösung der Grecnbacks anzugreifen.Erspart wurde dieser Schritt dadurch, daß sich gewisse NewyorkerBankiers durch Freunde der Regierung bestimmen ließen, demSchatzamte O 6 500 000 Gold zur Verfügung zu stellen. EineGoldanleihe wurde in Erwägung gezogen; sogar die Platten fürdie zu emittierenden Bonds wurden schon fertig gestellt; siewurden von Cleveland bei seinem Amtsantritt im Schatzkeller vor-gefunden. Als Cleveland nun ans Ruder kam, waren alle wesent-lichen Faktoren zn den Verlegenheiten des Schatzamtes während seinerPräsidentschaft fchon vorhanden. In den drei Jahren, seitdem dasSherman-Gesetz in Kraft getreten war, hatte das SchatzamtK 155 000 000°Gold, davon K 87 000 000 im Fiscaljahre 1893,durch Export verloren; der Jahresüberschuß über die Ausgaben,welcher !D 105 000 000 1889 noch betrug, war jetzt bis aufK 2 000 000 gesunken. Die furchtbare Krisis. die bald nach demAmtsantritt Clevelands ausbrach, wird gewöhnlich durch ameri-kanische Anhänger der Goldwährung als eine spezifische Geldkrisishingestellt. Das war sie aber nicht in dem Sinne, als sei ernst-lich zu befürchteu gewesen, die Regierung könnte nicht mehr langedie Goldwährung aufrechthalten; dem? mitten in der Krisis istein Goldagio uicht entstände??, uud die Greenbacks und Sherman-noten blieben immer ebenso begehrt wie Gold selber. Eine Geld-krisis aber war es in einein anderen Sinne: die Geldschwierig-keiten einer Reihe von Banken, die sich mit gewissen schlecht wirt-schaftenden Eisenbahnen zu weit eingelassen hatten, verursachteileine scharfe Einschränkung des Kredits. Dies führte das Fallissementauch vieler anderen Banken, nnd schließlich eine Panik herbei. DiePrivatleute zogen massenhaft ihr Guthaben aus den Bcmkeu zurück,das starre amerikanische Bankwesen, wonach die Notenausgabe nur