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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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ließ man auf dem Glauben, das; dies der Silberdollar, den Gold-monometallisten darauf, daß es nur der Golddollar ist. Auf Seiteder Republikaner war bisher wenigstens die Majorität gegen jede Be-vorzugung des Silbers, ihr Kandidat Mc. Kinley aber gilt auch heutenoch als unsicher. Umgekehrt war auf Seite der Demokraten Cleve-land zuerst mit Bland, dem Vertreter der westlichen Minendistrikteund dem Vater des Silbernufkaufgesetzes, vor 1878 Arm in Arm ge-gangen, bis er durch seine Erfahrungen als Präsident zur Goldwährungbekehrt wurde und nun mit seinen Parteigenossen des Nordens einig ging.

In das Gesetz vom 1. November 1893, das die SilberankäufeWerte, wurde, zur Beschwichtigung der Silberfreunde, eine Erklärungdes Kongresses aufgenommen, daß die Regierung sich an die fortgesetzteVerwendung von Gold und Silber als Geld als gebunden erachteund ein Doppelwährungssystem anstreben solle, das jedem von denVereinigten Staaten ausgegebenen Dollar gleichen vollen Wert sichere.

Diese Bestimmung wurde sofort im Frühjahr 1894 von denInteressenten als Ausgangspunkt für die Silberagitation benützt.So energisch sie schon seit Jahrzehnten agitiert hatten, dies-mal hofften sie durch die Präsidentenwahl die Münzstätten ganzin ihre Hand zu bekommen. Damit ihre Interessen zum Mittel-punkt des Wahlkampfes erhoben würden, verdoppelten sie ihre An-strengungen und eröffneten den Fcldzug außergewöhnlich früh. Hattendie englischen Bimetallisten 2 Millionen Mark für den Agita-tionsfouds gezeichnet, so brachten die Minenbesitzer das Zehnfachedavon zusammen. Erst im Frühjahr 1895 rüttelte die drohendeGefahr, wie in England und Deutschland , endlich auch in der Union dieGutgeldleute auf, die bisher dem bimetallistischen Treiben in beschaulicherRuhe zugesehen hatten.

Wie sich die beiden herrschenden Parteien zu diesem Liebes-werben verhalten würden, ließen sie absichtlich so lange als möglichungewiß. Bis Mitte 1896 wetteiferten beide Parteien darin, ihrenFreunden eine Brücke durch diplomatische, zu nichts verpflichtendeFormulierungen zu bauen.

Das Schwanken und Herumtasten der Parteien erklärt sich ausdem wirtschaftlichen und politischen Gegensatz zwischen dem Nordosteneinerseits und dem Süden und Westen andrerseits. Dieser territorialeGegensatz differenziert sich sodann noch nach den einzelnen Erwerbs-klassen.

Radikale Freunde der Silberfreiprägung sind seit den siebzigerJahren zwei Jnteressentengruppen, in erster Linie die Minenbesitzer,die für die Politik des Weichgelds das Hartgeld, namentlich mich derPresse gegenüber, nicht sparten, und dann die Landwirte, letzterewenigstens in ihrer Mehrheit, der jeder Weg recht ist, wenn er nurzu ihrem Ziele:übermäßig hohe Geldvermehruug" führt. Für dieGoldwährung treten hauptsächlich die Geschäftsleute des Ostens ein.Zwischen beiden Extremen giebt es eine Menge verschiedenerlei Schot-