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tierungen, die sich, je nach den Aussichten des Wahlkampfes, demnationalen oder internationalen Bimetallismus, der jedermann freizu-stellenden oder der der Regierung vorzubehaltenden Silberausprägungzuneigen.
Eine Kombinierung der agrarischen Tendenzen mit den Berg-werksinteressen war um so leichter, als sich ihre Gruppierung naturgemäßaus der wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten ergiebt.Im Nordosten nämlich, in den Territorien New-?>ork,Pensylvanien, Illinois u. s. w. befinden sich die großen Industrien; der Wert ihrer Fabrikate betrügtjährlich 14 Milliarden Mark, der der übrigen Staaten nur 3'/s MilliardenMark. Neben der Großindustrie ist dort auch die ganze Kommuni-kation, der Einfuhrhandel und das Eisenbahnwesen sowie die gesamteKapitnlmacht beisammen. Dem dortigen Kapital und der dortigenInitiative verdankt der Süden und Westen seine wirtschaftliche Ent-wickelung. Dafür ist er aber auch in industrieller und kommerziellerRichtung von Wall Street abhängig, wo seine Hypothekenglüubiger,seine Eisenbahndirektionen, seine Exporttommissionäre sind. In diesemunbehaglichen Abhängigkeitsgefühl steht der Westen und Süden vereintgegen den Osten, gegen die Uebermacht der nordatlantischen Häfen,gegen die Konkurrenz der östlichen Fabrikate, gegen die Willkür derNew-Iorker Eisenbahnkompagnien, gegen die Diktatur des dortigenGroßkapitals. Dem Westen gehören nun auch die Staaten an, die Silberproduzieren und in denen der Silberdollar auch zirkuliert. Um Wnll-Street zu ärgern und die Rentabilität der Silberminen zu steigern,um gleichzeitig auch die eigenen Hypothekenschulden womöglich zu er-leichtern, dafür waren die Wählerinassen im Westen schon früher zu haben.Die Silberfrage ist nur ein Symptom von den Emanzipationsbestrebungendes Südens und Westens, der, wenn die gegenwärtige Hetze fortgesetztwird, dem Osten bald erbitterter gegenüberstehen wird, als vor Aus-bruch des Sezessionskriegs. Schon zu Anfang 1896 haben die Silber-staaten, Colorado voran, mit der Sezession und Begründung einereigenen Silberrepublik gedroht, wenn nicht der neue Präsident diestaatlichen Silberankäufe wieder aufnehme. Das Land ist, wie 1860,in zwei Lager gespalten; es liegt ein Interessengegensatz vor, der sichallmählich, namentlich bei der rapiden EntWickelung des Westens, über-brücken ließe, der aber durch die gegenwärtige Massenaufhetzung soverschärft worden ist, daß die Präsidentschaftswahl, mag sie aus-fallen wie sie will, eine Entscheidung und Beruhigung nichtbedeutet.
Ob für den Feldzug wirklich die Silberfreiprägung zum ,,i8Lus«,zum Feldgeschrei, erhoben werde, hing von ihrer voraussichtlichen Zug-kraft auf die Menge ab. Daß sich die demokratische Partei schließlichhiezu entschloß, erklärt sich folgendermaßen: die Folgen der Krise von1893 erweisen sich als weit einschneidender und andauernder als beifrüheren finanziellen Störungen; der auf dem Geschäftsleben lastendeDruck will immer noch nicht weichen; eine der Ursachen hiefür liegt