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augenscheinlich im Schwanken der Silber- und Zollpolitik; der kauf-männischen Unternehmungslust fehlt die erste Voraussetzung des Wieder-auflebens, nämlich Stabilität der Verhältnisse. Der Unmut aber unddie allgemeine Mißstimmung, die noch durch die Aufdeckung der schwindel-haften Mißwirtschaft verschiedener Eisenbahnverwaltungen erhöht wurde,kam der Silberpartei gelegen: sie gab als Ursache der Geschäfts- undArbeitslosigkeit das aus, wodurch diese doch im August 1893 greifbargemildert worden war, nämlich die Suspension der Silberankäufe.
Der amerikanische Wahlkampf ist ja nicht ein Streit um idealePrinzipien, sondern ein Ringen um die Aemterverteilung und um staat-liche Lieferungen. Hiebei siegt diejenige Partei, welche die andere inVersprechungen überbietet, und für dieses Lizitationsverfahren erschiender demokratischen, aber noch bis Mai 1896 auch der republikanischenPartei das Schlagwort der „nationalen" Freiprägung des Silbers alsdas chancenreichere, zumal kein anderer Programmpunkt sich so sehr dazueignet, Versprechungen ins Blaue hinein zu machen und die Begehr-lichkeit der Massen aufzustacheln. Auf der andern Seite befürchtetenmanche Politiker den frühzeitigen Ausbruch einer Krise, die dann ihnen,wenn sie nicht feste Währungsprinzipien aufstellten, zur Last geschriebenwerden und ihre Sache gefährden mußte. So waren bis zum Juni 1896beide Parteien, die republikanische wie die demokratische darin unschlüssig,ob sie die Silberfrciprägung in Verbindung mit der Tariferhöhung aufihr Panier erheben sollten oder nicht. Noch im Frühjahr 1896 hatteMc. Kinley es verstanden, die Mittelstaaten durch seine Hinneigungzum Silber zu gewinnen; auf einmal hieß es in dem republi-kanischen Lager, „nur mit einer guten Währungsplanke könne mansiegen", und in diesem Gefühle wie auch in der Hoffnung, den Demokratendie ausschlaggebenden Nordoststaaten, die wohl auch den reichsten Wahl-fonds beisammen haben, wegzufangen, machten noch in der letzten Stundedie Anhänger Mc. Kinleys eine entscheidende Schwenkung gegen die freieSilberprägung. Angesichts dessen gelang es den Silberfreunden, in derdemokratischen Partei die Oberhand zu gewinnen. —-
Das kursierende Geld, insbesondere die Silberdollars und die Silber-certifiknte, sind heute noch vollwertig, d. h. gleichwertig mit dem Gold-geld, obgleich das Rohsilber auf dem Weltmarkt nur die Hälfte vondem gilt, wie es ausgemünzt wird. Die amerikanische Regierung konntebisher die Vollwertigkeit aufrecht erhalten, da sie die Ausbringung vonSilbermünzen nicht zu sehr übertrieb und 1893 ganz einstellte. Außer-dem kam ihrem Bestreben eine Reihe besonderer Umstände zu Hilfe. Ins-besondere besaß das Schatzamt, Dank der aktiven Handelsbilanz, stetsden nötigen Goldfonds, und Cleveland das feste Vertrauen des Aus-lands, daß er zur Erhaltung der Goldzahlungen gewillt und im-stande sei.
Nun wollen die Anhänger Bryans, das Schatzamt solle eine unbe-grenzte Menge Silber in dem, dem Marktpreis widersprechenden Ver-hältnis von 1 : 16 ankaufen und ausprägen. Sic erklären sich ferner