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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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gegen die Erhaltung eines Goldfonds und behaupten, daß das Silber-geld lediglich durch das?iar," des Kongresses vollwertig bleibe. Siebekämpfen endlich die Bestimmung der Blandbill von 1878. in derdie Rechtsverbindlichkeit der Goldklausel und die Goldeinlösung derauf Gold lautenden Noten aufrecht erhalten worden ist; das Rechtauf Goldzahlung soll den Gläubigern der Regierung wie auch denPrivatgläubigern, selbst dann, wenn Goldkontraktc vorliegen, genommenwerden. Die Geldvermehruug wird als das Heilmittel gegen alle Leidengepriesen, und doch steht als deren Ergebnis vor aller Angen: die Ver-drängung des Goldes aus dem Verkehr, die Erschütterung des Kreditsdes Landes auf den europäischen Geldmärkten, die empfindliche Steiger-ung seiner Abhängigkeit von dem Vertrauen der Alten Welt unddie Wiederkehr von Goldkrisen, wie die von 1893, oder von Bank-deronten wie der vom Dezember 1895 und vom Juni 189K. Wenndie Lehren der Geschichte nicht nur dazu da wären, um vergessen zuwerden, so müßten allein die verschiedenen mißglückten Versuche, welchein den Vereinigten Staaten gemacht wurden, um das Silber in dasWährungssystem einzufügen und für die Bankdeckung zu verwenden,nicht nur in der Union, sondern vor allem auch in Deutschland eineSilberpartei unmöglich machen.

Indes zur Belehrung des amerikanischen Volkes hat das teuereLehrgeld noch nicht genügt. Allerdings ist der Hauptgrund, aus demdie Silberfreiprügung zur Parteidevise erhoben wurde, in der Speku-lation der Demokratie auf die beutelustigen Scharen zn suchen, die sichin die kommunistische Vorstellung hineingelebt haben, der alte Traumde?Teilens" werde durch die Silberfreiprügung verwirklicht werden.Der Masse ist es sehr gleichgiltig, ob das Silber je wieder auf seinenwahren Wert gebracht wird; ihr eigentliches Ziel ist die Abstoßungder Hülste aller Schulden im Wege der Geldentwcrtnng d. h. eineverschleierte Räuberei. Und wo es sich um die Gewinnung der Masse,durch Aufstellung momentan unkontroliecbarer Behauptungen und un-verbindlicher Versprechungen handelt, da ist das Währungsproblcm dasgeeignete Feld: sie begeistert sie um so mehr, se kecker ein Agitator inseinen Behauptungen und Versprechungen ist.*)

Unsere Bimetallistcn haranguiereu die landwirtschaftlichen Vereine seitJahren mit der Phrase, daß die Währungsfrage für jedermann leichtverständlichsei. Die Probe auf diese Behauptung kann man bei dem derzeitigen Kampfin der Union machen: die Wührungsfragc an sich ist durch dieses monatelangefieberhafte Ringen einer 71 Millionen umfassenden Nation um Wahrheit undKlarheit, bei dem täglich, sobald sich nur zwei Männer zusammenfinden, die Argu-mente gegen einander abgewogen werden, im Wesentlichen nicht mehr vereinfachtund klargestellt worden. Wohl aber hat sich wiederum erwiesen, wie sehr sich dieseverwickelte Frage für die Spekulation auf die Dummheit und Begehrlichkeit derMasse eignet.Die Amerikaner", so meinte im Juli 1896 die New-Uortcr Staats-zeitung,bilden sich bis heute ein, ein besonders intelligentes Volk zu sein. Wärensie es, so Hütte der Silberwahnsinn nicht so um sich greifen können, denn er ist dasResultat einer grenzenlosen Begriffsverwirrung, für welche es leider gar keineLösung zu geben scheint. Es mag fein, daß bei andern Nationen das Ber -