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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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V,

Was sind nun die voraussichtlichen Folgen des Sieges der repu-blikanischen oder der demokratischen Partei?

Vorerst ist mit der Wahl des Präsidenten nur die Verteilungder Aemterbeute entschieden. Der Präsident für sich allein darf, wie schonS. 1 dargelegt worden, ein Gesetz mirvotieren", die Entscheidung über dieLandeswährung aber steht dem Kongreß zu. Nun besteht zwar im Senat vor-erst noch die Mehrheit aus Anhängern der Silberpartei ; im Februar 1896wurde ein Antrag auf Silberfreiprägung von ihm mit 42 gegen 35 Stimmenangenommen, aber im Kongreß mit 216 gegen 91 Stimmen verworfen.Anderseits ist der Ausgang des Wahlkampfs für die spätere Zusammen-setzung der beiden gesetzgebenden Körperschaften von symptomatischer Be-deutung, schon weil sich die Aemterjäger auf Seite des Siegers schlagen.Dringt Mc. Kinley durch, so dürfte vielleicht der Senat am 4. März1897, an welchem Tage für 19 Freisilberleute und 11 Gutgeld-Senatoren der Termin abläuft eine wenn anch kleine republikanische Mehrheit erlangen. Siegt Bryan, so kann der Kongreßver-silbert" werden. Was würde dann weiter geschehen? Für die nächsteUebergangszeit läßt sich das überhaupt nicht zum voraus feststellen.Aber auch für die Folge ist die Konstellation viel zu kompliziert; füruns kann es sich hier lediglich um die währungstechnische Seite unddarum handeln, gleichsam die Probe auf das Excmpel zu machen. Hie-

ständnis wirtschaftlicher Fragen nicht besser ist; dann aber haben sie das Glück,daß Unwissenheit und Dummheit nicht so viel zu sagen haben. Die Dummenmüssen bescheiden sein. Es gehörte amerikanischer Hochmut vereint mit ameri-kanischer Unwissenheit dazu, um den Blanditcn zu einer Stellung zu verhelfen,die das Land lächerlich macht, vielleicht sogar ruiniert. Wir machen gar keinenHehl daraus, daß es der krasseste Unsinn ist, die Währungs- und die damitzusammenhängende Bankfrage durch daszu Gericht sitzende Volk" direkt ent-scheiden zu lassen. Trotz allerKampagne der Erziehung" verstehen von den13 oder mehr Millionen Wählern kaum so viele Zehntausende diese Frage.Bryan befindet sich nicht unter diesen."

Welchem Verständnis die Wertrelation 1 : 16 und die pro Kopf (xsroapiw") berechnete Währungsstatistik begegnet, zeigen folgende Lesarten, diewährend des Wahlkampfes mit voller Ueberzeugung ausgesprochen und geglaubtwurden:

-1.) die Regierung ist verpflichtet, so oft sie einen Golddollar präge,16 Silberdollars auszuprägen;

d) 16 Silberdollars sollen so viel Wert haben, als 1 Gvlddollar;

e.) die Regierung muß für jede Person 16 Dollars ausprägen, so daßso viel je auf den Kopf entfällt;

6) die Regierung hat jedem 16 Dollars zu geben; in einer Zeitungin Alabama findet sich ein Brief abgedruckt, in dem ein Mann das Wertver-hältnis von 16 : 1 deshalb billigt, weil er auf diese Weise 30 Dollars fürseine aus 6 Köpfen bestehende Familie zu erhalten habe;

s) in Nord-Karolina erklärten sich die Farbigen gegen Bryan, weil erjedem Weißen 16 Dollars, den Farbigen aber nur einen Dollar verschaffen wolle.

So scherzhaft dies ist, so bitterer Ernst liegt in der Lehre, wie schweres ein Land büßen muß, wenn eine Partei den Währungsumsturz für dieZwecke des politischen Stimmenfangs proklamiert.