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der Massen durch Versprechungen aller Art kein Unterschied. Gegeneine derartige Demagogie haben die Gutgeld-Leute einen schwierigenStand-, es ist unendlich schwer, bei einer darbenden Masse einen Gegnerzu widerlegen, der ihr frischweg, unbekümmert um alle Lehren derWissenschaft und der Geschichte verspricht, daß er ihr vermittels derBanknotenpresse oder Münzprägmaschine Hilfe und Verdienst bringenwerde. Trotzdem wird all die Hetzarbeit erfolglos sein und das Abstim-mungs-Ergebnis zu der Selbst-Drapierung unserer Bimetallisten, mit dersie, wie seit Jahren, so noch bis heute (vergl. „Deutsches Wochenblatt"vom 29. Okt. 1896) die gesamte Arbeiterbevölkerung der Union fürihre Fahne reklamieren, eine treffliche Illustration abgeben.
Der Währungsumsturz soll dazu dienen, um dem Kapital etwasvon dem Anteil, den es aus der Erzeugung und Verwertung indu-strieller und landwirtschaftlicher Produkte zieht, abzuringen. Sollte aberje das Großkapital durch die Freiprägung Verluste zu befürchten haben,so ist es am ehesten in der Lage sich vorzusehen, oder etwaige Ver-luste überzuwälzeu. Man kann den Kredit und die Produktiv!? störeuund das Kapital schädigen, aber eben darunter muß der Produzeutleiden, ob er Kapitalist ist oder nicht; weder in der Industrie, nochin der Landwirtschaft kann der Kapitalist geschädigt werden, ohnedaß der mitleidet, der von dessen Unternehmungen lebt und den man zuschützen vorgiebt. Ob der Kapitalist schließlich mit Gold oder Silber arbeitet,macht für den keinen Unterschied, der mit dem Kapitalisten oder für ihn ar-beitet. Die Störung der Produktion durch die Silberagitation macht sich schonjetzt für die letztere Klasse viel empfindlicher fühlbar, als für die Kapitalistenselbst. Wie soll denn die Arbeit besser zu ihrem Recht gegenüber demKapital gelangen, indem man das Geld, den Wertmesser jeder Wareund der Arbeit, verschlechtert? Die Silberfreiprägung bedeutet doch dieHalbierung des Dollars und des Lohnes. Die Regierung kann keinerPartei, weder dem Unternehmer, noch dem Arbeiter, durch Silbergelddas Geringste helfen, sondern höchstens alles in eine Konfusion stürzen,bei der der Arme weit schwerer leiden muß, als der Reiche. Wer die Kosteneiner Uebergangskrise zu tragen hat, das sind doch in erster Linie immerdie Leute, deren Kapital in ihrer Hände Arbeit besteht. Wie bei denLandwirten, so ist es auch bei den Arbeitern nur eine selbstmörderischePolitik, die ihnen die Silberdemokraten aufzuschwatzen suchen.
IV.
Vor dem diesjährigen Wahlkampf spielte die Stellung zur Währungs-reform eine entscheidende Rolle für die Parteigruppierung noch nicht. Diebeiden alten Parteien waren bisher in dieser Frage gespalten, beide hattenvor allem auf die Wahlstimmen der westlichen Minendistrikte Rücksicht zunehmen. Seit 1880 haben daher beide zugleich auf ihrem Programm: „Bi-metallismus" zum Ködern der Silberleute und „Gnt Geld ", oder „Er-haltung der Parität des Gold-, Silber- und Papier-Dollars" für dieGoldmonometallisten. Was ist aber „Gut Geld" ? Ten Silbermann