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Kandidat der Silberpartei, a ber a u ch M c. Kin l ey, nichts wissenund das ist für die Beurteilung des Wahlergebnisses der entscheidendePunkt. Konnte noch im Herbst 1895 der Clevelandschc Flügel derdemokratischen Partei in Frage stellen, ob sie nicht die Einziehung derGreenbacks zum Ausgangspunkt des Wahlkampfes erheben solle, soist heute die Begehrlichkeit der Masse so hoch gespannt, daß manihr damit gar nicht kommen darf; so langatmig die Wahlreden sind,dieser Hauptpunkt wird auch nicht mit einer Silbe berührt.
Bezeichnend für das ganze Parteigetriebe ist der Verlauf des Reform-versuchs des Schatzsekretärs Carlisle; er wollte Ende 1895 dem ständigenDruck und Risiko durch Einziehung der Greenbacks ein Ende machenund das Papiergeld allmählich durch in Gold einlösbare Banknotenersetzt wissen. Aber dieser Plan scheiterte gerade an dem Wider-spruch der republikanischen (!) Partei, die den Antrag dazu benützte,um den süd- und weststaatlichen Flügel der demokratischen Partei, dervon jeher dem Silber zuneigte, lahm zu legen.
III.
Wie die Lage der amerikanischen Währung, so wird auch derCharakter der Silberagitation erst durch die Pnpiergeldpolitik richtiggekennzeichnet. Die Agitation hat zum allgemeineren Hintergrund dieGreenbackfrage und das Ziel der unbegrenzten Vermehrung von Kredit-geld, gleichgiltig, ob es aus Silber oder Staatsscheinen besteht. Umdieses Ziel zu erreichen, erschien 1876 die Agitation der Minenbesitzerals ein geeignetes Mittel, sie ist aber im Grunde nur eine Episodein dem allgemeineren Kampfe der „Jnflationisten" um die systematischeGeldverschlechterung.
Die Kerntruppen in diesem Kampfs und damit auch der Silberparteibilden die bäuerlichen Grundbesitzer. Ihre Gefolgschaft datiert noch aus denZeiten des Sezessionskriegs und der damaligen Papierwährung. In allenLändern, die einen derartigen hnlbbanterotten Währungszustand gehabthaben, befestigt sich erfahrungsgemäß in den Landwirten die Ueberzengung,daß derselbe vorteilhaft für sie sei. So trugen z. B. in England die Landwirtenoch Jahrzehnte lang nach Wiedereinführung der Barzahlung ein Sehnennach der infolge der napoleonischen Kriege eingeführten Papierwährungund riefen 1820—1849, obgleich sie damals die günstigsten Zeitenhatten, immer wieder, sobald nur der KornpreiZ ins Wanken geriet,nach dem Heilmittel des Papiergelds oder der Geldvermehrung. Wersich die Mühe nimmt, die Geschichte dieser Zeit zu studieren, wirdJahr für Jahr den Vorschlag auf Herabsetzung des Geldwertes, d. h.auf Erklärung des Staatsbankrotts wiederkehren sehen. Eine ähnlicheErfahrung machte man in Nordamerika , wo seit dem Bürgerkriege dieLandwirte immer noch eine Vorliebe für das „weiche Geld" (sott rrions^)haben. Der Unterschied zwischen beiden Staaten besteht nur darin, daß inEngland die Regierung fest blieb, in der Union dagegen dieses Vor-
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