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der Silberthaler, so dort der Silberdollar gesetzliches Zahlungsmittel.Aber im Verkehr kursieren an diesen Dollars weniger als bei uns anThalern ; 1893'wurde zudem die Prägung beziehungsweise der Anlaufvon Silber eingestellt, die Regierung löst ihre Noten, von den Silber-certifikaten abgesehen, in Gold ein. Endlich ist in den VereinigtenStaaten die Goldklausel, im Unterschied von den Ländern der lateinischenMünzunion, ebenso zulässig als üblich. Souach gehört die Unionjedenfalls zu den Ländern mit goldparitätischer Währuug. Nur fragtsich, wie lange noch? Das hängt von dem Gange der Frcisilberbe-wegung und von dem Vertrauen des Auslands auf die fortdauerndeGoldeinlösung der amerikanischen Verbindlichkeiten ab.
II.
Wie für die Sturmfestigkeit einer jeden Währung, so ist auchsür die der amerikanischen ihr Verhältnis zum Kredit- und Ausland-verkehr der maßgebende Prüfsteiu. Der Kurs des Wechsels auf fremdeLänder und der Grad der Kaufkraft, welche sie dem Landesgeld bei-messen, ist das Kriterium für seine Voll- oder Unterwertigkett. DieserMaßstab wird durch den Vorrat an vollwertigem Kurautgeld uud dieNachfrage hienach sowie durch den Stand der Staatsfinanzen, haupt-sächlich aber durch die Zahlungsbilanz des Landes, durch die Sicherheitder Beziehungen zum Ausland beeinflußt. Tie Handels- und Zahlungs-bilanz der Union nun stellt sich folgendermaßen dar: Bei jeder Wahlredewird gerühmt, wie die amerikanische Nation, als die größte der Welt, beiihrer Währungsreform keinerlei Rücksicht auf das Ausland zu nehmenbrauche. Tatsächlich aber ist das jungaufstrebende Land der altenWelt tributpflichtig und in seiner Weiterentwicklung von dem euro-päischen Kapital und Kredit abhängig. Namentlich bedarf eine wirt-schaftliche Förderung des Westens und Südens noch viel, viel Geld.Heute schon ist europäisches Kapital in vielen Milliardeu in den dortigenStaatsbonds, Eisenbahnlinien und Aktiengesellschaften angelegt; dieSchätzungen des Betrags schwanken zwischen 6—15 Milliarden Mark.Zum mindesten muß das Land 4—500 Millionen Mark an Zinsenund Dividenden in Gold an Europa entrichten. Ebenso hoch belaufensich die Ausgaben der amerikanischen Touristen, die Europa aufsuchen;im Jahre 1892, da 80 000 Amerikaner herüberkamen, berechnete mandie Ausgabe auf nahezu 600 Millionen Mark. Die Goldsendungender in der Union ansäßigen Ausländer nach ihrer Heimat haben aller-dings in den letzten Jahren bei dem schlechten Geschäftsgang nachgelassen,erreichen aber immerhin 50 Millionen Mark; nach Abzug von durch-schnittlich 25 Millionen Mark, die vom Ausland im Postanweisungs-verkehr eingezahlt werden, verblieb ein Abgangsposten von 33 Mil-lionen Mark im Jahr 1896, von 45 Millionen Mark im Jahr1893. Endlich hat Amerika , da es nicht genügend Kauffahrteischiffehat, die europäischen Schiffe jährlich mit einer Fracht von etwa