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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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130200 Millionen Mark zu entlohnen. Diese Goldbeträge summierensich zusammen auf jährlich 1 Milliarde Mark. Einen Teil diesesBetrags kann die Union, da sie, wie jedes noch weniger entwickelteLand eine aktive Handelsbilanz hat, mit dem Ueberschuß ihrer Ausfuhrdecken. Er erreichte 1893/94 den hohen Betrag von 950 MillionenMark, 1891/92: 815 Millionen Mark, genügte also wenigstens1893/94 zur Ausgleichung des Schuldbetrags. Das ist aber eine Aus-nahme; im Durchschnitt betrügt die Mehrausfuhr kaum 2300 MillionenMark, nämlich 1890/91: rund 160 Millionen Mark. 189293: 75,1894/95: 260, 1895/96: 350 Millionen Mark. Das Manko dieserZahlnngsbilanzmnßdnrch Wertpapiere oder Schuldanfnahme, und wennderKredit im Ausland erschüttert ist, durch Goldversendung gedeckt werden.So wurde seit 1889 für 1,4 Milliarden Mark mehr Gold aus-als eingeführt, während die Bilanz pro 1878/88 ein Mehr von840 Millionen Mark zu Gunsten des Gold-B ezngs ergibt; scharf ab-gegrenzt hebt sich eine Reihe aufeiuauderfolgender Jahre des Mehr-Bezugsvon der anderen ab; die in Bankierkreisen verbreitete Ansicht, als ob dieUnion von jeher das Goldlieferungsland gewesen sei, ist nicht richtig.Die Kurve dieser Goldverschiffungen zeigt, je nach dem Gange der Zahlungs-bilanz große Sprünge; seit 1889 erreichte der Goldexport in den Sommer-monaten eine excessive Höhe, so namentlich im Juni 1891, im Mai 1894u. s. w., (dagegen kam im Spätjahr 1886, 1887, 1891 und nament-lich bei dem Krach von 1893 im August desselben Jahres außer-ordentlich viel Gold vom Ausland wieder herein). Die Beschaffungdes erforderlichen Goldes nnn bildet für das Schatzamt seit 1893eine Quelle ständiger Verlegenheit. Zudem steht für das nächsteJahrzehnt eine Verschiebung der Zahlungsbilanz bevor: sie kannschon infolge einer Ermäßigung der Prohibitivzölle, muß aber voraus-sichtlich binnen weniger Jahre als eine naturgemäße Folge der weiterenEntwicklung des Landes eintreten; dürfte doch z.B. die Ausfuhr vonGetreide, die jährlich 800 Millionen Mark beträgt, infolge des zunehmen-den Eigenkonsums vielleicht schon ini nächsten Jahrzehnt ihr Ende erreichen.

Die Verlegenheit des Schatzamts und die Gefahr der Zahlungs-unfähigkeit hat ihre Hauptursache in der übermäßigen, den Geldbedarfdes Verkehrs weit überschreitenden Ausgabe von Silber, dem inter-national weniger brauchbaren Zahlungsmittel, und in dem Wirrwarrvon Greenbacks, Gold- und Silbercertifikaten, der sich aus der Nicht-einlösung des Staatspapiergeldes entwickelte und das Gold aus dem Ver-kehr verdrängte. Im Znsammenhang mit der Blandbill von 1878 näm-lich wurde eine zweite Währungsmaßregel verfügt und die 1875 beschlosseneAnordnung der Einziehuug und Vernichtung der Greenbacks, da ihnendie Farmer undJnflationisten" eine mystische Kraft auf die Pro-duktenpreise und auf die Prosperität der Geschäfte zuschreiben, am31. Mai 1878 sistiert. Schon von gesetzeswegen also ist die Minde-rung der Menge der umlaufenden Greenbacks nicht gestattet. Zugleichbekommt das Schatzamt vom Kongreß die zur Deckung der etats-