— 30 —
130—200 Millionen Mark zu entlohnen. Diese Goldbeträge summierensich zusammen auf jährlich 1 Milliarde Mark. Einen Teil diesesBetrags kann die Union, da sie, wie jedes noch weniger entwickelteLand eine aktive Handelsbilanz hat, mit dem Ueberschuß ihrer Ausfuhrdecken. Er erreichte 1893/94 den hohen Betrag von 950 MillionenMark, 1891/92: 815 Millionen Mark, genügte also wenigstens1893/94 zur Ausgleichung des Schuldbetrags. Das ist aber eine Aus-nahme; im Durchschnitt betrügt die Mehrausfuhr kaum 2—300 MillionenMark, nämlich 1890/91: rund 160 Millionen Mark. 1892—93: 75,1894/95: 260, 1895/96: 350 Millionen Mark. Das Manko dieserZahlnngsbilanzmnßdnrch Wertpapiere oder Schuldanfnahme, und wennderKredit im Ausland erschüttert ist, durch Goldversendung gedeckt werden.So wurde seit 1889 für 1,4 Milliarden Mark mehr Gold aus-als eingeführt, während die Bilanz pro 1878/88 ein Mehr von840 Millionen Mark zu Gunsten des Gold-B ezngs ergibt; scharf ab-gegrenzt hebt sich eine Reihe aufeiuauderfolgender Jahre des Mehr-Bezugsvon der anderen ab; die in Bankierkreisen verbreitete Ansicht, als ob dieUnion von jeher das Goldlieferungsland gewesen sei, ist nicht richtig. —Die Kurve dieser Goldverschiffungen zeigt, je nach dem Gange der Zahlungs-bilanz große Sprünge; seit 1889 erreichte der Goldexport in den Sommer-monaten eine excessive Höhe, so namentlich im Juni 1891, im Mai 1894u. s. w., (dagegen kam im Spätjahr 1886, 1887, 1891 und nament-lich bei dem Krach von 1893 im August desselben Jahres außer-ordentlich viel Gold vom Ausland wieder herein). — Die Beschaffungdes erforderlichen Goldes nnn bildet für das Schatzamt seit 1893eine Quelle ständiger Verlegenheit. Zudem steht für das nächsteJahrzehnt eine Verschiebung der Zahlungsbilanz bevor: sie kannschon infolge einer Ermäßigung der Prohibitivzölle, muß aber voraus-sichtlich binnen weniger Jahre als eine naturgemäße Folge der weiterenEntwicklung des Landes eintreten; dürfte doch z.B. die Ausfuhr vonGetreide, die jährlich 800 Millionen Mark beträgt, infolge des zunehmen-den Eigenkonsums vielleicht schon ini nächsten Jahrzehnt ihr Ende erreichen.
Die Verlegenheit des Schatzamts und die Gefahr der Zahlungs-unfähigkeit hat ihre Hauptursache in der übermäßigen, den Geldbedarfdes Verkehrs weit überschreitenden Ausgabe von Silber, dem inter-national weniger brauchbaren Zahlungsmittel, und in dem Wirrwarrvon Greenbacks, Gold- und Silbercertifikaten, der sich aus der Nicht-einlösung des Staatspapiergeldes entwickelte und das Gold aus dem Ver-kehr verdrängte. Im Znsammenhang mit der Blandbill von 1878 näm-lich wurde eine zweite Währungsmaßregel verfügt und die 1875 beschlosseneAnordnung der Einziehuug und Vernichtung der Greenbacks, da ihnendie Farmer und „Jnflationisten" eine mystische Kraft auf die Pro-duktenpreise und auf die Prosperität der Geschäfte zuschreiben, am31. Mai 1878 sistiert. Schon von gesetzeswegen also ist die Minde-rung der Menge der umlaufenden Greenbacks nicht gestattet. Zugleichbekommt das Schatzamt vom Kongreß die zur Deckung der etats-