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mäßigen Ausgaben nötigen Mittel nicht verwilligt; 1895/96 hattedas Schatzamt ein Defizit von 100 Millionen Mark, 1894/95 von170 Millionen, 1893/94 von 280 Millionen Mark. Die laufendenVerbindlichkeiten vermag es nicht anders zu decken, als dadurch, daßes die im Schatz befindlichen Greenbacks stets aufs Neue in Verkehrbringt. Dem Ausland gegenüber können die amerikanischen Touristen,Importeure und Schuldner nur Gold brauchen; sie haben, da seit1893, bei der unsicheren Währungslage Gold immer wieder eingesperrtoder ins Ausland geflüchtet wird, Europa aber keine großen Kapitalienmehr in den Vereinigten Staaten anlegt, keinen anderen Ausweg, alsdie Greenbacks und Schatzamtsnoten zu sammeln und beim Schatzamtzur Einlösung in Gold zu präsentieren. Das gleiche geschieht in ge-spannten Zeiten, wo jedermann vorsorglich oder zu spekulativen Zweckeneinen Geldvorrat anzulegen sucht; im Oktober 1896 z, B. wurde hie-für dem Schatzamt täglich für eine Million Mark Gold entnommen.
So vermindert sich die Goldreserve ständig, je nach der Zahlungs-bilanz oder der Marktstimmung, oder dem Zutrauen des europäischenGeldmarkts zu den amerikanischen Wertpapieren. In den letzten zweiJahren ist die Goldreserve schon viermal unter das gesetzliche Minimumvon 420 Millionen Mark gefallen, und das Schatzamt, um sich das fürdie stete Einlösung des Papiergelds nötige Geld zu verschaffen, ebenso oftzur Ausgabe von Bonds gezwungen worden; binnen zwei Jahren hat eszur Auffüllung seiner Goldreserve für über 1 Milliarde Mark Schuldengemacht. Der Goldexport überstieg den Import in den Fiskaljahren1890/91 um den Betrag von 275 Millionen Mark, 1892/93 um340, 1894/95 um 125 Millionen Mark. Angesichts dessen waren,sagt selbst Arendt (Leitfaden, 17. Aufl., S. 59), „die Massenanküufevon Silber auf die Dauer nicht aufrecht zu erhalten, sonst hätte dieamerikanische Valuta zur Silbervaluta werden müssen."
Die Abnahme der Goldreserve des Schatzamts nun beunruhigtden Geldmarkt direkt, weil es, wie eine Art Bundes- oder Reichsbankdie Kreditgewährung durch die paar hundert Nationalbanken reguliert,aber nicht, wie z. B. bei uns die Reichsbank, übermäßige Ansprüchean ihren Goldbestand durch Anziehen der Diskontschraube eindämmenkann. Der niedrige Stand der Goldreserve, wie er seit drei Jahrenvorhanden ist, läßt daher, wegen der damit verknüpften Schwächungdes Geld- und Kreditmarktes, die Gefahr einer Geldkrise, deren Rückschlagnoch von 1893 her in sehr lebhafter Erinnerung steht, anhaltend inbedenklicher Nähe erscheinen.
Das Fazit der Silberpolitik ist: man wollte, unbekümmert umden Weltmarkt, den Silberpreis heben, eingetreten ist eine stetige Ent-wertung des Silbers und eine größere Abhängigkeit von dem Kreditdes Auslands. Beide Versuche, die seit dem Sezessionskriege zerrüt-teten Währungsverhültnisse durch die Goldwährung, wie 1873, oderdurch die Doppelwährung, wie 1878, wieder einzurichten, sind aufhalbem Wege stehen geblieben. Nicht einmal gemildert wurden die