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solidesten Kreditinstitute sind von dieser Bewegung nicht verschont geblieben.Namentlich in den Monaten Juni und Juli hatten die Banken, als die Krisisihren Höhepunkt erreichte, einem starken Ansturm der Depositengläubigerstandzuhalten.
Die deutsche Bankwelt sand in dieser kritischen Zeit an derReichsbank den stärksten Rückhalt. Die nötigen Mittel zur Aufrecht-erhaltung ihrer eigenen Zahlungsfähigkeit und zu den nach Lage derVerhältnisse erforderlichen Stundungen, Krediterteilungen und Garantie-übernahmen beschafften sich die Bankinstitute im wesentlichen durchRediskontierungen und Darlehnsentnahmen bei der Reichsbank. Die Folgewar, daß die Reichsbank, deren Lage sich bisher befriedigend entwickelt hatte,in der letzten Juniwoche 1901 stärker in Anspruch genommen wurde als in demgleichen Zeiträume der Vorjahre. Die gesamte zinsbringende Kapitalanlagehob sich in jener Woche um 322,8 auf 1173,9 Millionen Mark, an welcherSumme das Wechselportefeuille allein mit 1 057,5 Millionen und die Lombard-forderungen, die sich nahezu verdoppelt hatten, mit 104,7 Millionen Markbeteiligt waren. Im Zusammenhange hiermit steigerte sich die Anlage der Bankzu dem September- und Dezember-Termin 1901 noch über den Stand vom30. Juni hinaus.
Erschwerend kam in Betracht, daß seit dem Beginn des neuen Jahr-hunderts auch das Reich die Mittel der Bank mehr und mehr im Wege derDiskontierung von Schatzanweisungen in Anspruch nahm. Zwar hatte es auchfrüher schou ab uud zu Schatzanweisungen bei der Reichsbank diskontiert. DieDiskontierung war aber immer nur vorübergehend und in mäßigen Beträgenerfolgt. Seit September 1900 hatte das Reich indessen begonnen, Schatz-cmweisuugeu in größeren Beträgen bei der Bank zu diskontieren, so daßbei ihr zu Begiun des Jahres 1901 ein Bestand von 85 Millionen Markan Schatzanweisungen vorhanden war. Die Anlage wuchs alsdann uutermehrfachen Schwaukuugen bis zum 15. April 1901 auf 127,8 MillionenMark an. Die im April 1901 mit großem Erfolge zur Zeichnung aufgelegte3"'. Reichsanleihe in Höhe von 300 Millionen Mark ermöglichte die Tilgungdieser schwebeuden Schuld bis zum 7. Juli des Jahres.
Im Herbst 1901 war das Reich wiederum genötigt, an die Bank heran-zutreten. Die Schntzanweisuugscmlage betrug am 30. September 29 MillioneilMark, hatte sich Mitte November weiter auf 92 Millionen Mark erhöht und waram Schlüsse des Jahres 1901 auf 123 Millionen Mark gestiegen. Im Jahre 1902