Druckschrift 
Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

^

Die R e i ch s b a n k v o n 1 !>l<1 bis z » m Ausbruch dos Weltkrieges

sähen arbeitenden Auslande, sowie im Zusammenhange damit ungünstigeDevisenkurse und starke Goldabflüsse waren die Folge. Die Reichsbank suchteaus den oben erörterten Gründen, das Geldangebot durch umfangreiche Dis-kontierungen von Reichsschatzanweisungen am offenen Markte einzuengen undschritt nach erfolgreicher Durchführung dieser Operation am 11. Februar 1903zur Herabsetzung ihres Diskonts auf 3^°/°. Aber bereits am 8. Junimußte sie zum 4°/«igen Satze zurückkehren; die Aufnahmefähigkeit desMarktes für Reichsschatzanweisungen hatte immer mehr nachgelassen, so daß dervon der Bank dem Reich gewährte Kredit infolge dringenden Geldbedarfs desReichs bis Mitte Mai die bisher noch niemals dagewesene Höhe von nahezu220 Millionen Mark erreichte, und als bald darauf die Schatzanweisungsschuldaus den Mitteln einer 290 Millionen Mark betragenden 3"/<>igen Reichsanleihevollständig getilgt werden konnte, war es wieder die erhöhte Anspannung desWechselkontos, die eine Erleichterung der Lage der Bank verhinderte.

Unter der Herrschaft des 4°/°igen Bankdiskonts gestalteten sich dieDevisenkurse und die Goldbewegungen günstiger. Die bis Ende Mai per Saldoeingetretenen Goldverluste ans Ausland sind in der Folgezeit durch über-wiegende Goldeinfuhren reichlich wieder aufgewogen worden.

Im Jahre 1901 dauerte der starke Geldbedarf der Wirtschaft neben denwieder zunehmenden Ansprüchen des Reichs nur wenig abgeschwächt fort.Dabei wurde die Lage noch erschwert durch die allmähliche Zuspitzung desrnssisch-japanischen Gegensatzes, der im Februar zum Kriege führte. Unterdiesen Umständen konnte von einer Diskontherabsetzung, die bei einem einiger-maßen normalen Verlauf der Dinge früher oder später nach Neujahr zu erwartengewesen wäre, nicht die Rede sein. Es bedurfte vielmehr der Aufrechterhaltungdes 4"/»igen Satzes uud wiederholt vorgenommener Unterbringungen von Schah-anweisungen im freien Verkehr, um den Bankstatus in den erwünschten Grenzenzu halten. Zwar blieb die Wechsel- und Lombardanlage von Mitte Maiab nicht unerheblich hinter der bisherigen Bestandsziffer zurück, doch steigertedas Reich seine Anforderungen au die Bank beträchtlich. Als aber in der letztenSeptemberwoche auch die Wirtschast mit ganz bedeutenden Kreditansprüchen andie Reichsbank herantrat, sah diese sich am 11. Oktober nach voraus-gegangenen umfangreichen Rediskontierungen von Reichsschatzanweisuugengenötigt, den Wechselzinssatz auf 5°/» hinaufzusetzen. Die mit der Maß-uahme bezweckten Ziele wurden voll erreicht. Nicht nur verringerte dieWirtschaft ihre Schuld an die Reichsbank erheblich, auch die Bilanz der