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Goldein- und -ausfuhr, die schon von Mai ab Monat für Monat wiedergrößere Überschüsse ergeben hatte, wurde jetzt in ganz ungewöhnlichemMaße aktiv, so daß sich im Saldo des Jahres ein Einfuhrüberschuß von nichtweniger als 388,8 Millionen Mark ergab. Die großen Goldeingänge sind demMetallvorrat in hohem Maße zugute gekommen. Diese EntWickelung erreichteerst mit dem Februar 1905 ihren Abschluß, am 23. dieses Monats wies dieBank einen bisher nicht erreichten Goldvorrat von 904,4 Millionen Mark aus.
Hand in Hand mit der Zunahme des Goldvorrats ging eine außer-ordentliche Einschränkung der Wechsel- und Lombardanlage, so daß dieBank im Jahre 1905 ihren Wechselzinssatz schon frühzeitig ermäßigenkonnte. Bereits am 10. Januar setzte sie den Diskontsatz auf 4"/., am14. Februar weiter auf 3'///« und am 25. Februar auf 3°/° herab. Im Zeichendes 3"/«igen Bankdiskonts hielt die günstige Entwicklung zunächst noch an, in-sonderheit was die Goldbewegungen anlangt, die im März ein äußerst günstigesErgebnis hatten. Angesichts des großen Bestandes an Reichsschatzanweisungenwar zudem die Bank in der Lage, durch Rediskontierung dieser Papiere eineretwa sich zeigenden Anspannung ihres Status in geeigneten Fällen zu begegnen,ohne zu diesem Zwecke sofort zu einer Diskonterhöhung greifen zu müssen.
Der Umschwung vollzog sich ganz allmählich. Mit der Beendigung desBergarbeiterstreiks im Ruhrrevier nahm die geschäftliche Tätigkeit rasch einengroßen Umfang an, und mit dem Frühjahr 1905 begann eine Zeit ständigenwirtschaftlichen Aufschwungs, welcher durch den im August erfolgten Friedens-schluß zwischen Rußland und Japan und durch die sichere Aussicht auf friedlicheBeilegung der zwischen Deutschland und Frankreich in bezug auf Marokko ent-standenen Differenzen weitere Nahrung erhielt. Auch machte sich jetzt mehrund mehr der große Einfluß geltend, den die sich immer zahlreicher bildendenKartelle auf das gesamte deutsche Wirtschaftsleben, insbesondere auf die Ge-staltung und Hebung der Produktion, ausübten.
Das erhöhte Kreditbedürfnis der Wirtschaft äußerte sich zunächst in eineraußerordentlich regen Emissionstätigkeit. Die Neuemissionen inländischerBank- und Jndustrieaktien stiegen zu Beträgen an, die nur hinter denin den Jahren der Hochkonjunktur 1898 und 1899 erzielten zurückblieben. Da-neben setzte sich die Begebung inländischer, fest verzinslicher Wertpapiere ingrößtem Maßstäbe fort. Aber anch für ausläudische Zwecke wurde der deutscheGeldmarkt in starkem Umfange in Anspruch genommen. Insbesondere habenRußland und Japan ihm beträchtliche Kapitalien entzogen. Auch amerikanische