Die Reichs dank von MN bis ^um Ausbruch dos Weltkrieges
Die Konferenz von Algeciras war übrigens für die Reichsbanknoch von besonderer Bedeutung. Gemäß Artikel 51 der Generalakte der Kon-ferenz, welche die Staatsbank von Marokko schuf, hatte sie ebenso wie dieZentralnotenbanken von England, Spanien und Frankreich mit Zu-stimmung ihrer Regierung einen Zensor zu bestellen, dem die Über-wachung des ordnungsmäßigen Funktionierens der Marokkobauk oblag.Sie bestimmte hierzu den damaligen Geheimen Oberfinanzrat, späterenVizepräsidenten Di-, v. Glasenapp, der den Verhandlungen der Konferenz alsdeutscher Sachverständiger beigewohnt hatte und der bis zum Inkrafttreten desVersailler Friedens als Zensor tätig war.
Die Gründungstätigkeit und die hiermit zusammenhängende Emissionvon Dividendenpapieren des Jahres 1906 nahm in bezug auf die Höhe derbeanspruchten Kapitalien einen Umfang an, der dem im Jahre 1899 erreichtennahe kam, und die Emissionen der Staaten und Kommunen warengrößer als in irgend einem der Vorjahre. Insgesamt stellten sich die zurZeichnung aufgelegten inländischen Wertpapiere auf den Betrag von rund2V2 Milliarden Mark.
Die großen Ansprüche, welche die Wirtschaft an die Reichsbank stellte,standen hiermit in Übereinstimmung. Das bemerkenswerteste dabei ist, daß dieLombardanlage sich verhältnismäßig stärker ausdehnte als das Wechsel-portefeuille, obgleich der Lombardzinssatz ständig um 1"/-> über dem Wechsel-diskont gehalten wurde. Diese Entwicklung wies einmal auf ein höheresKreditbedürfnis in den Kreisen hin, denen Wechsel zur Diskontierung gar nichtoder nur in ungenügendem Maße zur Verfügung standen. Zum Teil war sieaber auch die Folge der immer häufiger werdenden Darlehnsentnahmen ingrößeren Beträgen auf wenige Tage um die Zeit der Quartalstermine. Diegesamten zinsbringenden Kapitalanlagen gingen trotz eines Bankdiskonts, dessenSätze sich die größere Hälfte des Jahres hindurch um IV- bis 2°/° über den Sätzendes Vorjahres hielten, nur an wenigen Ausweistagen unter die damaligeHöhe herab.
Mit Rücksicht auf die zu Beginn des Jahres verhältnismäßig günstigeNotendeckung war die Reichsbank bereits am 18. Januar 1906 mit dem Diskont-satz auf 5"/° heruntergegangen, und als dann große Beträge von Reichsschatz-anweisungen aus den Mitteln einer Reichsanleihe getilgt worden waren, konntesie am 23. Mai den Diskontsatz auf 4^°/„, den niedrigsten Stand des Jahres,weiter herabsetze«. Viele Anzeichen, u. a. das Ansteigen des Privatdiskonts