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Die Reichsbank : 1901-1925
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Die Reichsbank von 1901 bis zum Ausbruch des Weltkrieges

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an der Berliner Börse , der sich von 3^°/° Ende Juli ziemlich stetig auf ^//Z«am 15. September hob, ließen für die Herbstmonate ein rasches Anschwellen derKreditansprüche erwarten. Mit Rücksicht hierauf sah sich die Reichsbankveranlaßt, den Diskontsatz am 18. September auf 5°/° heraufzusetzen. Als derRückfluß auf die zum September-Ultimo eingetretene abnorme Anspannung indem erhofften Umfange ausblieb und die amerikanische Geldnachfrage immerstärker nach Europa übergriff, mußte sie ihn am 10. Oktober weiter auf 6°/°erhöhen.

In diesem Monat hat die Reichsbank ferner die Rediskontierung vonReichsschatzanweisungen, die schon seit Ende Juni ihr Portefeuille in zu-nehmendem Maße füllten, wieder aufgenommen, um so ihren Status zu kräftigenund die deutschen Marktzinssätze angesichts der höheren englischen zu heben.Gleichwohl spitzte sich die Lage so zu, daß noch kurz vor Jahresschluß, am18. Dezember, der Bankdiskont auf 7°/° gesteigert werden mußte; es konnte nichtverhindert werden, daß die Höhe des staatlichen und privaten Geldbedarfs zumJahresschluß den gesamten Notenumlauf auf 1775,9 Millionen Mark und denungedeckten zum ersten Mal über die Milliarde hinaus auf 1045,4 Millionen Markanschwellen ließ. Im ganzen wurde jedoch durch das Hochhalten der Zinssätzeund durch starke die Goldausfuhr um 268,7 Millionen Mark übersteigende Gold-einfuhren eine Kräftigung der monetären Gesamtlage Deutschlands herbeigeführt.

Während der beiden ersten Januarwochen des Jahres 1907 er-mäßigte sich der Umlauf an steuerpflichtigen Noten von 573 auf 89 Mil-lionen Mark. Am 22. Januar 1907 ließ sich übersehen, daß der Wochen-abschluß vom 23. eine, wenn auch nur geringfügige steuerfreie Noten-reserve bringen werde. Infolgedessen wurde schon an diesem Tage derDiskontsatz von 7 auf 6°/° herabgesetzt; aber erst am 23. April konnte eineweitere Herabsetzung auf 5°/° in Anbetracht der sich nur allmählich ermäßigendenstarken Inanspruchnahme der Bank erfolgen.

Mit der Zeit begann sich eine Erschöpfung des Geldmarktes bemerkbarzu machen. Sie hatte vor allem ihren Grund in der Befriedigung der Anleihe-bedürfnisse des In- und Auslandes, von denen die Bedürfnisse der deutschenKommunen besonders stark waren, während die Emissionen der Bundesstaaten,der heimischen Industrie und des Auslandes mehr oder weniger hinter derZiffer des Vorjahres zurückblieben. Die Gesamtziffer der Effektenemission desJahres erreichte den Betrag von 2212 Millionen Mark.

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