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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
Seite
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Die Reichsbank von 1901 bis zum Ausbruch des Weltkrieges

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Zu 1. Die Frage der Erhöhung von Grundkapital und Reservefonds wurde im

allgemeinen als nicht besonders wichtig angesehen. Hinsichtlich des Grund-kapitals überwog die Überzeugung, daß die Stärke und Leistungsfähigkeit derReichsbank von anderen Faktoren als von der Höhe des Grundkapitals abhänge.Vereinzelt wurde die Erhöhung zwecks Schaffung neuer Betriebsmittel, Stärkungder Lombardkraft und Steigerung des im Grundkapital liegenden Garantiefondsbefürwortet. Eine nicht unerhebliche Anzahl von Sachverständigen und Mit-gliedern empfahl, die Frage dem Ermessen der Reichsbank zu überlassen.

Die Verstärkung der Reserve fand dagegen überwiegend Zustimmung,namentlich im Hinblick auf den hohen Stand des Grundstückskontos der Reichs-bank, das Ende 1907 bei einer Belastung von 54,8 Millionen Mark den Reserve-fonds von 64,8 Millionen Mark zu nicht weniger als 85°/° in Anspruch nahm.Auch wurde empfohlen, bei Erreichung einer gewissen Maximalhöhe keine auto-matische Schließung des Reservefonds eintreten zu lassen.

Zu 2. Vereinzelt wurde eine Beseitigung der Kontingentierungsvorschriften

angeregt. Die überwiegende Mehrzahl hielt jedoch die Aufrechterhaltung dieserVorschriften für zweckmäßig, da sie in der Feststellung und Bekanntgabe einessteuerpflichtigen Notenumlaufs bedeutsame und von der Geschäftswelt beachteteSturmzeichen" undWarnungssignale" erblickte. Sie empfahl indessen eineErhöhung des steuerfreien Notenkontingents der Reichsbank.

Zu 3. Darüber, daß für den Zu- und Abfluß von Gold in allererster Linie die

deutsche Zahlungsbilanz maßgebend sei, die sich durch bank- und währungs-politische Maßnahmen nur in sehr beschränktem Umfange beeinflussen lasse,bestand allgemeines Einverständnis. Das in dieser Hinsicht von der Reichsbankbisher befolgte Verfahren wurde im ganzen und großen als richtig angesehen.Insbesondere wurde anerkannt, daß die Reichsbank durch ihr Devisengeschäft,das sie seit Beginn des Jahres 1908 auf eine breitere Grundlage gestellt hatte,gute Erfolge erzielt habe. Die weitere Pflege des Devisengeschäfts wurde ein-dringlich empfohlen. Das seit langen Jahren von der Reichsbank zwecks Heran-ziehung ausländischen Goldes angewendete Mittel der Gewährung zinsfreierVorschüsse auf die Goldeinfuhr wurde allseitig gebilligt.

Ganz allgemein war innerhalb der Kommission die Ablehnung dersogenannten Prämienpolitik. Empfohlen wurde demgegenüber die Herstellungvon Goldzainen, Goldlamellen und Goldbarren in der für die Industrie passendenForm und Feinheit zwecks Abgabe an die industriellen Unternehmungen.