Die Reichsbank im Weltkriege
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Darlehne erfolgte und neben diesen SpezialPfändern noch die persönliche Haftungder Darlehnsschuldner bestand. Soweit sie nicht in den freien Verkehr über-gingen, sondern in den Kassen der Reichsbank blieben, konnten sie dem Bar-vorrate zugerechnet werden. Die Lombardanlage der Darlehnskassen wurde sozur Notendeckung verwendbar gemacht und auf diese Weise gewissermaßenmobilisiert.
Nach reiflicher Erwägung wurde davon abgesehen, eine Bestimmung zutreffen, welche die Reichsbank von der in Z 8 des Bankgesetzes vorgeschriebenenwöchentlichen Veröffentlichung des Standes ihrer Aktiva und Passiva entband.Die Geheimhaltung des Status wäre nur geeignet gewesen, ein jeder tatsächlichenBegründung entbehrendes Mißtrauen zu erwecken.
Auf der so geschaffenen neuen Grundlage übernahm die Reichsbank dieFinanzierung der Kriegsausgaben, soweit sie nicht anderweit vom Reich gedecktwerden konnten. Sie mußte sie übernehmen, wenn die Kriegführung überhauptermöglicht werden sollte. Vor allem hatte sie die zur Deckung der Kosten derMobilmachung, der Löhnung und der Unterhaltung der Truppen erforderlichenBeträge zu beschaffen. Da die Begebung einer Anleihe erst für einen späterenZeitpunkt in Aussicht genommen werden konnte, mußte die Kreditentnahme inder Hauptsache auf dem Wege der Diskontierung von Schatzanweisungen erfolgen.
Daneben gewährte die Reichsbank dem Reich Kredit durch Diskontierungund Lombardierung der sogenannten Zollkriegswechsel. Auf Grund der Be-stimmungen über die Behandlung der gestundeten Zölle und Reichssteuern beiKriegsgefahr hatten die Stundungsnehmer — soweit sie nicht Barzahlungenleisteten -— in Höhe der gestundeten Beträge Wechsel zu zeichnen, die von demzuständigen Hauptamt an die Reichshauptkasse giriert und von dieser je nachBedarf bei der Reichsbank diskontiert wurden, soweit sie in 3 Monaten fälligwaren oder lombardiert wurden, soweit die Fälligkeit den Zeitraum von3 Mouaten überstieg. Die sich hieraus ergebende Inanspruchnahme der Reichs-bank war namentlich in den ersten Kriegswochen recht erheblich. Bis zum15. September 1914 bezifferte sich die Gesamtsumme der diskontierten Beträgeauf ruud 195 Millionen Mark und die Gesamtsumme der Lombarddarlehne auf