Die Neichsbank im Weltkriege
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in anderer Weise Bestimmung über die Preise zu treffen. Die Verordnung istnach Fortfall der Beweggründe, die zu ihr geführt hatten, durch Bekanntmachungvom 23. Juli 1919 (RGBl. S. 1356) außer Kraft gesetzt worden.
Mit den zunehmenden Schwierigkeiten der Beschaffung der notwendigenRohstoffe gingen die Gold verarbeitenden Betriebe im weiteren Verlauf desKrieges immer mehr zur Herstellung von Kriegsbedarf über. Die Arbeiterschaftsolcher Unternehmungen, deren Umstellung auf die Anfertigung von Kriegswarennach ihrer Eigenart nicht angängig erschien, wurde in andere kriegswichtigeUnternehmungen übergeführt.
So konnte die Reichsbank schließlich die Abgabe von Gold zur Herstellungvon echten Goldwaren für den inländischen Bedarf einschließlich der Trauringevollkommen einstellen. Auch die Goldabgabe für Doublee- und vergoldeteWaren wurde sogleich bei der Aufnahme des Goldsachenankaufs auf einenkleinen Bruchteil der im Frieden abgegebenen Mengen, später noch weitererheblich herabgesetzt. Die Verabfolgung von Gold für zahnärztliche Zwecke,soweit nicht die Behandlung Kriegsverletzter in Frage kam, wurde um min-destens 25°/° eingeschränkt.
Die freiwillige Ablieferung von Goldmünzen seitens der Bevölkerunghatte zur Folge, daß die Verkehrsreserven an Gold bis auf geringfügige Restesich in den Tresoren der Reichsbank konzentrierten. Die andauernde Zunahmeder Goldbestände, die im Reichsbankausweis ersichtlich wurde, erregte überallgroßes Aufsehen und zeitigte im feindlichen Auslande die seltsamsten Auffassungen,die bis zum Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Veröffentlichungen der Reichs-bank gingen. Trotzdem kam der tatsächliche Rückfluß von Goldmünzen in den Aus-weisziffern nicht einmal voll zum Ausdruck, da — ganz abgesehen von denAbgaben für ärztliche und industrielle Zwecke — häufig erhebliche Goldbeträgeaus den Eingängen vorweg entnommen werden mußten, um durch die Reichs-bank zur Bezahlung notwendiger Einfuhren ins Ausland versandt zu werdeu.
Von Beginn des Krieges an machte sich aus weiten Kreisen der Be-völkerung der Wunsch geltend, auch durch Ablieferung von Goldsachen den:Vaterland Opfer zu bringen. Die Reichsbank sah zunächst davon ab, diese Be-strebungen zu fördern. Als aber mit der zunehmenden Entgoldung des Verkehrsdie Zuflüsse an Goldmünzen schwächer wurden, mußte sie darauf Bedacht nehmen,auf anderem Wege die Mittel zur Finanzierung unentbehrlicher Einsuhren ohnewesentliche Schwächung des Währungsgrundstocks in die Hand zu bekommen.