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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Reichsbank im Weltkriege

Organisationen beratende Ausschüsse zur Seite. Sie setzten sich aus Vertretern derBehörden, angesehenen Persönlichkeiten aus dem Beamtenstand und der Bank-welt, Vertretern der Handels- und Landwirtschaftskammern, der Presse, Geist-lichkeit, Lehrerschaft, der freien Berufe und den Vorsitzenden größerer Vereinezusammen. Auch angesehene und bekannte Landwirte sowie Beamte der Spar-kassen und Genossenschaften wurden zur Mitarbeit herangezogen, so daß eineGewähr dafür geboten war, daß alle im Geldverkehr sich ergebenden Bedürfnisseund Mißstände zur Kenntnis der Zentralstelle gelangten. Die Tätigkeit derZentralstelle bestand darin, aufklärend und werbend zu wirken, die Einrich-tungen der Träger des bargeldlosen Zahlungsverkehrs auszugestalten und seineMittel zu verbessern.

In den ersten Nachkriegsjahren wurden, wie schon hier bemerkt werdenmag, die Bestrebungen zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs nach-drücklich und mit guten Erfolgen fortgesetzt. Dies bezeugt u. a. die wachsendeZunahme der Kontoinhaber im Postscheckverkehr, die fast eine Million erreichten,der Anschluß weitester Bevölkerungsschichten an die Geldinstitute, die Ver-besserung der dem bankmäßigen Zahlungsausgleich dienenden Einrichtungen unddie zunehmende Verwendung von Überweisung und Scheck an Stelle der Bar-zahlung. In einigen Gebietsteilen des Reiches, z. B. im Lande Sachsen, gelanges, über 90°/° der erwerbstätigen Bevölkerung zur Eröffnung von Konten zuveranlassen. Die Zahl der Postscheckämter erfuhr in diesem Jahre eine erheblicheVermehrung und zog die Errichtung zahlreicher neuer Postscheckkonten nach sich.Die Eisenbahnkassen wurden ermächtigt, zur Erleichterung der bargeldlosenZahlung von Frachten und Nachnahmebeträgen Schecks vertrauenswürdigerPersonen an Zahlungs Statt unter gewissen Voraussetzungen anzunehmen.

Die Organisation zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrswurde, nachdem sie die von ihr erstrebten Ziele erreicht hatte, am Ende desJahres 1922 wieder aufgelöst.

Später, als die Entwertung der Mark immer weiter fortschritt, verlordie bargeldlose Zahlungsweise ihre Grundlage. Die Unterhaltung eines Bank-od'er Postscheckguthabens war gleickbedeutend mit Kapitalverlust, wenn es sichnicht nur um Durchgangsgelder handelte, über die täglich restlos verfügt wurde.Giroüberweisung und Scheck wurden unbrauchbar, da die Verzögerung an derGutschrift nur um wenige Tage für den Betroffenen einen erheblichen Ver-mögensverlust bedeutete. Nur der bestätigte Reichsbankscheck nahm einen