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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Reichsbank im Weltkriege

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Obwohl der Erfolg dieser Aufklärungsarbeit in dem hohen Betrag besonders vonKleinzeichnungen unverkennbar war, wurden bei der fünften Anleihe weiterePropaganda-Mittel ähnlicher Art, wie sie in den feindlichen Ländern mit Erfolgversucht worden waren, von der Reichsbank herangezogen: so das Werbeinseratin den Zeitungen, das Plakat, das Flugblatt und das Kino. Allerdings wurdevon diesen Werbemitteln bei der fünften Anleihe noch verhältnismäßig geringerGebrauch gemacht. Erst die sechste Kriegsanleihe brachte eine wirkliche Pro-paganda größeren Stils. Im November 1916 wurde als Zentralstelle für dieAufklärungsarbeit das Nachrichtenbüro für die Kriegsanleihen bei der Reichs-bank errichtet. Bereits Anfang Dezember 1916 ging man daran, die für die4. Kriegsanleihe geschaffene und seitdem bestehende Organisation für dieZwecke der diesmal wesentlich veränderten Aufklärungsarbeit umzustellen. DieAufklärungsarbeit sollte durch Vorträge im großen Maßstab ausgeführt werdenund keine direkte Werbearbeit darstellen. Die Vorträge sollten deshalb auch nichtwie früher in einer Aufforderung zur Zeichnung ausklingen, sondern hatten denZweck, die Bevölkerung mit der wirtschaftlichen und finanziellen Lage Deutsch-lands vertraut zu machen, um auf diesem Wege die Stimmung für die neueKriegsanleihe vorzubereiten. Es entstand demnach eine scharfe Scheidungzwischen der vorbereitenden Aufklärungsarbeit und der eigentlichen Werbearbeit.In ihrer Zentralstelle bediente sich die Reichsbank im Gegensatz zu England einer ganz beschränkten Zahl von Arbeitskräften. Der Arbeitsstab setzte sichnur aus 4 Beamten und 24 Aushilfskräften zusammen; das Versandpersonalist in diesen Ziffern einbegriffen. Zur fachmännischen Beratung standen 3 bis4 Beiräte aus dem Reklamefach zur Seite, denen die einzelnen Gebiete alsSpezialreferate zugewiesen waren, Zeitungs-, Bühnen-, Lichtbild-, Plakat- undFlugblatt-Propaganda. Die Werbearbeit in der Provinz wurde durchweg vonehrenamtlichen Helfern geleistet.

Zu der Werbearbeit trat eine Reihe anderer Maßnahmen, die sämtlichdie Anleihezeichnung und die Flüssigmachung von Mitteln für die Zeichnung zuerleichtern bestimmt waren. So war z. B. der Verzicht der Sparkassen auf dieKündigungsfristen von größter Wichtigkeit für den Erfolg der Anleihen. Vonfeiten des Deutschen Sparkassenverbandes wurde er in einer auf Veranlassungdes Reichsbank-Direktoriums anberaumten Sitzung in den Räumen der Reichs-bank Berlin beschlossen und in einem Aufruf dieses Verbandes sämtlichen Spar-kassen nahegelegt. Auch die Genossenschaften und Banken, die statutarisch nichtan Kündigungsfristen gebunden waren, gaben die auf längere Fristen eingezahlten

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