Die Reichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1318—1323)
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Auf Grund dieses Gesetzes erließ die Reichsbankleitung in der Folge eineReihe von Bekanntmachungen, welche die Verpflichtung der Reichsbank zurErsatzleistung bei beschädigten Noten regelten.
Die immer weiter fortschreitende Geldentwertung führte dazu, die bereitsim Jahre 1921 vorbereiteten Noten zu 500, 5 000 und 10 000 Mark im Laufedes Jahres 1922 fertig zu stellen und auszugeben. Zu Beginn des Herbstes 1922wurde eine einfach ausgestattete 100-Mark-Note in Umlauf gebracht. Schwierig-keiten in der Beschaffung des für den Notendruck geeigneten Papiers führten zurHerstellung von acht verschiedenen Serien von 1000-Mark-Noten mit dem Datumvom 15. September 1922.
Angesichts der plötzlich hervorgetretenen Schwierigkeiten in der Versor-gung des Verkehrs mit papierenen Zahlungsmitteln ließ es sich nicht vermeiden,vorübergehend wieder auf die Ausgabe von „Notgeld" zurückzugreifen. AlsAusgabestellen kamen je nach den örtlichen Verhältnissen in dem einen Bezirkbesondere zu diesem Zweck zusammenwirkende Jndustriegruppen, in anderenOrten die Handelskammern, in wieder anderen sonstige öffentliche, insbesonderekommunale Korporationen in Betracht. Der Reichsminister der Finanzen, derzufolge des Gesetzes vom 17. Juli 1922, betreffend die Ausgabe und Einlösungvon Notgeld (RGBl. I S. 693), seine Genehmigung zu solchen Ausgaben imEinvernehmen mit der in Frage kommenden obersten Landesbehörde zu erteilenhatte, erklärte sich in Ansehung der vielfach bestehenden Notlage bereit, dahin-gehenden Gesuchen zu entsprechen. Die Genehmigung wurde in der Hauptsachedavon abhängig gemacht, daß die Ausgabe von Abschnitten, die über mehr als1000 Mark lauteten, nicht erfolge und der Antragsteller den Gegenwert des aus-gegebenen Notgeldes abzüglich der Kosten der Herstellung an die Reichskredit-gesellschaft m. b. H. in Berlin , welche die hinterlegte Summe verzinste, überweise.Die Hinterlegung des Gegenwertes sollte eine übermäßige Ausgabe von Notgeldverhindern. Die Laufzeit des Notgeldes war anfangs nur für zwei Monatevorgesehen, sie ist jedoch in den meisten Fällen infolge AnHaltens der Zahlungs-mittelknappheit verlängert worden. Die Gesamtsumme des umlaufenden Not-geldes hat damals gegenüber dem Gesamtzahlungsmittelumlauf keine nennens-werte Rolle gespielt. Ende Dezember 1922 dürften etwa 20 Milliarden MarkNotgeld sich im Umlauf befunden haben.
Im Jahre 1923 stellte die technische Bewältigung der Versorgung desVerkehrs mit Zahlungsmitteln nie zuvor erlebte Anforderungen an die Bank.Außer der Reichsdruckerei, bei der zeitweise mehr als 7500 Personen allein im