Die Reichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1918—1923) 123
täglich versorgt werden. Bei dem Umfang der Lieferungen waren Postsendungenkaum noch möglich, vielmehr wurden immer häufiger von Beamten der Bankbegleitete Bahntransporte eingerichtet, von denen oft ein einziger Transportmehrere Waggons umfaßte. Die Belieferung des besetzten Rhein - und Ruhr-gebiets unterlag besonderen Schwierigkeiten. Den Abriegelungsmaßnahmen derGegner zum Trotz gelang es, selbst in den unruhigsten Zeiten die Gebiete mitdem Allernötigsten zu versorgen. Da Post und Eisenbahn den Betrieb für Wert-sendungen einstellten, war die Reichsbank auf sich selbst angewiesen. Obschonder Transport von Platten und Druckpapier in das besetzte Gebiet äußersterschwert war, konnte im Spätherbst der Notenbedarf des besetzten Gebiets anOrt und Stelle angefertigt werden. Der Abbau der gesamten für den Notendruckaushilfsweise eingestellten Unternehmungen im besetzten wie im unbesetztenDeutschland hat sich am Jahresende reibungslos vollzogen.
Die Rückflüsse an entwerteten, zu Zahlungszwecken nicht mehr verwend-baren Notenabschnitten stellten an die Notenvernichtungsanlage der Reichsbaukdie höchsten Anforderungen. Schon 1915 war die ursprüngliche Noten-Verbrennung durch ein chemisches Vernichtungsverfahren ersetzt worden, welchessich jedoch nicht bewährt hatte. Ende des Jahres 1919 ging die Reichsbankdaher zu einem neuen Notenvernichtungsverfahren, dem System Dr. Wurster,über. Nach diesem System werden die Noten durch einen bei der Firma Oden-bach K Vogel, Maschinenfabrik A.-G. in Bitterfeld , hergestellten, völlig betriebs-sicheren Papierzerfaserer maschinell in kleinste Teile zerrissen und unter Zugabewarmen Wassers in einen Brei verwandelt, der einen zur Herstellung vonPappen oder Packpapier sehr geeigneten Rohstoff abgibt. Diese Vernichtungs-methode hatte sich so bewährt, daß auch auswärtige Zentralnotenbanken sie an-genommen haben. Trotz der außerordentlichen Leistungsfähigkeit der Maschine,die in einer Arbeitsstunde 300 bis 450 Icx Notenpapier vernichtete, war es derReichsbank im Laufe der Zeit nicht mehr möglich, die in immer größerem Maßezurückströmenden Notenabschnitte, die bald alle Tresore überfüllten, zu vernichten.Die Vernichtungsvorschriften mußten daher in verschiedenen Punkten abgeändertwerden. Mit Zustimmung der Reichsschuldenkommission, deren Kontrolle dieEinziehung und Vernichtung von Reichsbanknoten nach Z 16 des Bankgesetzesunterstellt war, wurden die kleinsten Abschnitte von den Bankanstalten direkteiner örtlichen Papier - oder Pappenfabrik zugeführt, wo ihre Vernichtung unterAufsicht erfolgte. Zwecks Entlastung der Bankkassen wurde mit dem Reichspost-ministerium vereinbart, daß die Postanstalten bei ihnen sich sammelnde Mengen