126 Die Reichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1318—192?)
durch die Kassen der Reichsbank das eingehende Notgeld nicht mehr zu Zahlungenverwenden, soudern in kurzen Fristen den Emissionsstellen zur Einlösung präsen-tieren. In der zweiten Novemberhälfte wurden sämtliche Reichsbankkassen an-gewiesen, die Jnzahlungnahme von Notgeld irgend welcher Art völlig ab-zulehnen. Die Maßnahme bewirkte, daß weiteren Neuemissiouen Ein-halt getan wurde und die Zurückziehung der noch umlaufenden Beträge in Flußkam. Im besetzten Gebiet, dem Hauptemissionsbereich, wurden besondere Ver-einbarungen über die Vereinigung des Umlaufs getroffen. Die Reichsbahnübergab der Reichsbank zur Deckung für die vorübergehende weitere Annahmeihres nicht wertbeständigen Notgeldes Anfang Dezember 90 Millionen Renten-mark. Wertbeständiges Notgeld wurde von der Reichsbank überhaupt nicht inZahlung genommen.
Besonders hervorzuheben sind schließlich noch die Eingriffe der Be-satzungsbehörden an Rhein und Ruhr in das Privateigentum der Reichsbank,die zu vollkommen widerrechtlicher Wegnahme von Geldbeträgen und sogar biszu Banknotenfälschungen führten, Vorgänge, die in ihrer Tragweite die Interessenaller Zentralnotenbanken berühren. Die Besatzungsbehörden beschlagnahmten,um Forderungen an das Reich einzutreiben, Geldtransporte der Reichsbank,beraubten die Tageskassen und Tresore der Bankanstalten, drangen in die mitdem Banknotendruck für die Reichsbank betrauten Privatdruckereien ein, zwangendie Drucker mit Gewalt zur Fertigstellung von Notenmengen, deren sie sich be-mächtigten, scheuten aber auch nicht davor zurück, unvollständig bedruckte Bogenmitzunehmen, sie in anderen Druckereien mit falschen Kennzeichen fertig druckenuud zerschneiden zu lassen und derartige Falschstücke in Verkehr zu setzen. Diebei der Reichsbank beschlagnahmten Papiergeldbeträge beliefen sich auf fast1 Trillion Mark, sie hatten nach dem jeweiligen Valutastand berechnet einen Wertvon 26 Millionen Goldmark; außerdem wurden Gold- und Silbermünzen sowieausländische Noten fortgenommen im Werte von zusammen 75 000 Goldmark.Bei Ausbruch der Separatistenunruhen im Rheinlande wurden der Reichsbnnkvon Separatisten Zahlungsmittel im Werte von rund 400 000 Goldmarkgestohlen.