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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Reichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (19181923)

Neben der Förderung der Ausfuhr war die Einschränkung der Waren-einfuhr auf das Maß des Unentbehrlichen im Interesse der Valuta unbedingtgeboten. Solange die Devisenverordnung noch wirksam in Kraft stand, besaß dieBank die Möglichkeit, ihren Einfluß in der angegebenen Richtung nachdrücklichgeltend zu machen. Sie befürwortete denn auch die förmliche Aufhebung derDevisenverordnung nur mit Rücksicht darauf, daß die Verhältnisse bereits zueiner tatsächlichen Aufhebung geführt hatten, und unter der Voraussetzung, daßdie bisherige Beschränkung der Einfuhr aufrechterhalten blieb. Seit Aufhebungder Devisenverordnung (vgl. Bekanntmachung vom 23. Juli 1919, RGBl.S. 1539) war der unmittelbare Einfluß der Reichsbank auf die Bemessung derWareneinfuhr wesentlich gemindert.

Um das zur Begleichung unentbehrlicher Importe erforderliche Devisen-material zu beschaffen, war die Reichsbank bemüht, die aus dem Export her-rührenden Devisen an sich zu ziehen. Die Heranziehung wurde durch die Ein-führung der oben erwähnten Kurssicherungstratten erheblich erleichtert. DasDevisentermingeschäft, zu dem die Bank mit Rücksicht auf die während derKriegszeit eingegangenen Valutaverbindlichkeiten durch die oben erörterte Bank-gesetznovelle vom 16. Dezember 1919 ermächtigt worden ist, wirkte in der gleichenRichtung. Es entwickelte sich von vornherein sehr günstig.

Die größten Devisenankäufe spielten sich aber in den brieflichen und tele-graphischen Guthabenübertragungen auf die bei ausländischen Korrespondentenunterhaltenen Konten der Bank ab. Mit der Zunahme dieser Geschäfte erfuhrdas Netz der Korrespondenten im Auslande eine immer wachsende Ausdehnung.Die Guthaben der Bank im Kontokorrentverkehr mit ihren Korrespondentenwurden in der Bilanz vom 30. Dezember 1922 mit 914,7 Millionen Mark aus-gewiesen. Auch den Hauptanteil der Devisenumsätze des Jahres 1923 (diegesamten Deviseneingänge dieses Jahres beliefen sich auf 2036 Millionen Gold-mark, die Ausgänge auf 2696 Millionen Goldmark) bildeten die Umsätze aufden bei Korrespondenten im Auslande unterhaltenen Konten.

Sehr erhebliche Mengen an ausländischen Zahlungsmitteln beschafftedie Reichsbank ferner durch den Verkauf von Wertpapieren und Zinsscheinen,sowie dadurch, daß sie mit Hilfe ihrer großen Organisation ausländische Notenund Sorten im besetzten und unbesetzten Gebiet ankaufte (vgl. Bekanntmachungdes Reichswirtschaftsministers vom 28. März 1919 RGBl. S. 371).

Auch uach Aufhebung der Devisenverordnung stand die Reichsbank nochimmer im Mittelpunkt des Devisengeschäfts und gab, je nachdem es die Marktlage