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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Stabilisierung der Mark

Eigenkapital wurde teils aus den in deutschen Händen befindlichen, nicht uner-heblichen Devisenbeständen, teils mit Hilfe des Auslandes aufgebracht. DasGrundkapital der Bank bestand aus 10 Millionen Pfund-Sterling, von denen dieReichsbank 5 Millionen Pfund-Sterling (Aktien Gruppe und ein fast diegesamte deutsche Bankwelt umfassendes Konsortium gleichfalls 5 MillionenPfund-Sterling (Aktien Gruppe ö) übernahmen. Die Einzahlungen erfolgtenin Devisen, und zwar auf die Aktien der Gruppe ^ mit 100°/» und auf dieAktien der Gruppe L mit zunächst 25°/° des Nennwertes. Der Reichsbank wurdefür diesen Zweck von der Bank von England ein Kredit von 5 Millionen Pfund-Sterling eingeräumt. Es war damals beabsichtigt, mit der Errichtung der end-gültigen Währungsbank die laufenden Geschäfte der Golddiskontbank zu liqui-dieren. Mit Inkrafttreten des neuen Bankgesetzes wurde die Golddiskontbankdaher ihres übrigens niemals benutzten Notenausgaberechts entkleidet und mitder Liquidation begonnen. Die Liquidation ging, obgleich sie ohne jede Schärfedurchgeführt wurde, mit unter dem Einfluß des Hereinströmens anderweitigerAuslandskredite ziemlich rasch vonstatten, und die von der Golddiskontbankder deutschen Wirtschaft gewährten Kredite, welche in den Monaten August undSeptember des Jahre 1924 mit rund 14 Millionen Pfund-Sterling ihren Höchst-stand erreicht hatten, waren etwa Ende Januar 1925 auf die Höhe des eigenenKapitals, Anfang Mai 1925 auf etwa 3V- Millionen Pfund-Sterling gesunken.Inzwischen hatte die Reichsbank sämtliche Anteile der Bank erworben, wozu siedurch ein besonderes Gesetz vom 19. März 1924 (RGBl. II S. 73) ermächtigtwar, und den bei der Bank von England aufgenommenen Kredit in Höhe von5 Millionen Pfund-Sterling bereits vor Fälligkeit zurückgezahlt. DenKonsortialmitgliedern wurden in Höhe der von ihnen gemachten Goldeinzah-lungen Bezugsrechte auf neue, vom 1. Januar 1925 ab gewinnberechtigteReichsbankanteile eingeräumt. Im April des Jahres 1925 entschloß sich danndie Reichsbank mit Zustimmung aller beteiligten Stellen, die Golddiskontbankaus dem Liquidationszustande wieder herauszuführen, da es im Interesse derdeutschen Wirtschaft und angesichts der fortdauernden Kapitalknappheit er-wünscht erschien, auch diese volkswirtschaftlich zweckmäßigste Möglichkeit derAufnahme von Auslandskrediten den am Außenhandel beteiligten Wirtschafts-kreisen zu erhalten. Die Golddiskontbank befindet sich demgemäß seit MitteMai 1925 wieder in voller Tätigkeit. Ihre Kredite hatten nach dem Standevom 23. Dezember 1925 wieder einen Betrag von 9,2 Millionen Pfund-Sterling erreicht; weitere Kredite in Höhe von rund 400 000 Pfund-Sterling