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Die Reichsbank : 1901-1925
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Die Bank- und Währungsreform

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Die Vorschriften über die regelmäßige Veröffentlichung von Wochen-ausweisen und die Aufstellung einer Jahresbilanz sind mit den durch die Neu-gestaltung der Verhältnisse bedingten Änderungen aufrechterhalten.

Was die Gewinnverteilung anlangt, so hatte das Dawes-Gntachten eine8°/»ige kumulative Vorzugsdividende vorgesehen, während der nach Speisung desReservefonds verbleibende Jahresüberschuß den Anteilseignern und dem Reicheje zur Hälfte zufallen sollte. Auf Anregung des Reichsbankpräsidenten setztejedoch das Organisationskomitee eine höhere Beteiligung des Reiches am Gewinnder Bank fest der Art, daß zunächst der Reservefonds, solange er nicht 12°/° desNotenumlaufs erreicht hat, mit 20°/» des Gewinnes zu dotieren ist, demnächst dieAnteilseigner eine 8°/°ige Kumulativdividende erhalten und alsdann dem Reichevon den weiteren ersten 50 Millionen Reichsmark die Hälfte, von den nächsten50 Millionen Reichsmark drei Viertel und von den darüber hinaus verfügbarenBeträgen 90°/« zugewiesen werden.

Bei Inkrafttreten der neuen Bank- und Währungsgesetzgebung sah sich Schwierigkeiten

der

die Reichsbcmk überaus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen gegenüber. WirtschaftslageAllerdings war durch die Stabilisierung der Währung die Grundlage geschaffen,auf der das Wirtschaftsleben in normale Bahnen einlenken konnte und die Um-stellung der deutschen Wirtschast auf die Goldbasis vollzog sich, wenngleich nichtohne Reibungen, so doch ohne stärkere Erschütterungen; sie brachte aber mehrund mehr die Größe der durch die Inflation zeitweise verschleierten Kapital-verluste zur Erscheinung. Um nur eins zu erwähnen: Aus den Bilanzen derGroßbanken für das Jahr 1924 läßt sich ersehen, daß Aktienkapital und Reservender Banken gegenüber dem Jahre 1913 im Verhältnis von 2^ : 1, dieKreditoren von 3 : 2 zurückgegangen sind. Im Laufe des Jahres 1925 hat sichdie Kreditorenziffer nur wenig gebessert, wobei noch hervorzuheben ist, daß essich hier zum größten Teil um Betriebskapitalien und Auslandsgelder handeltund nur zum geringsten Teil um neues Sparkapital.

Ein besonders bedenkliches Anzeichen für die Lage der deutschen Wirt-schaft sind die Außenhandelsziffern. In den ersten zehn Monaten des Jahres1924 stellte sich das Passivum der deutschen Handelsbilanz auf mehr als 1'/. Mil-liarden Reichsmark, wovon auf den Oktober allein 237 Millionen entfielen, imNovember stieg das Passivum weiter um 393, im Dezember um 476 Millionen