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Die Bank- und Währungsreform
Reichsmark . Im Jahre 1925 setzte sich diese ungünstige Entwicklung in ver-schärftem Maße fort. Die ersten zehn Monate erbrachten ein Passivum von nichtweniger als 3628 Millionen Reichsmark. Die Gründe hierfür lagen sowohlauf der Import- wie auf der Exportseite. Die Einfuhr blieb verhältnismäßigstark. Der Verlust landwirtschaftlicher Überschußgebiete infolge des Kriegesbedingte einen fortgesetzt hohen Bedarf an ausländischen Lebensmitteln.Ähnliches gilt auch von den Rohstoffen. Dazu kam, daß das Preisniveau imInnern wesentlich über dem ausländischen Preisniveau lag, was zur Einfuhrvon billigen Auslandswaren, insbesondere auch zum Zwecke des Konsums an-reizen mußte. Demgegenüber war die Ausfuhr gehemmt durch teilweisen Verlustder Auslandsmärkte, durch zollpolitische Maßnahmen des Auslands und durch diewährend des Krieges und während der Nachkriegszeit erstarkte Leistungsfähigkeitder ausländischen Konkurrenz. Die schwere Unterbilanz konnte zum kleinerenTeil durch die während der Inflationszeit im Auslande aufgespeicherten deutschenKapitalien beglichen werden. Der Rest wurde durch Auslandskredite gedeckt.Aber die Kredite waren oft genug zum Zwecke des Bezugs von reinen Kon-sumtionsgütern aufgenommen worden und insofern selbst wiederum die Ursacheverstärkter durch spätere Produktion nicht ausgleichbarer Einfuhr.
Währung?- und Unter diesen erschwerenden Umständen hatte die Reichsbank die Währung
Kreditpolitik
der Reichsbank unbedingt aufrechtzuerhalten, gleichzeitig aber, soweit es die Rücksicht auf dieWährung gestattete, der Wirtschaft die erforderlichen Kredite zur Verfügung zustellen. Sie versorgte den Markt mit Devisen, was ihr in erster Linie durch die imDawes-Plan vorgesehene Auslandsanleihe ermöglicht wurde. Die im Oktober undAnfang November 1924 zum Kurse von 92 °/° im Auslande aufgelegte Anleihe istmit 7"/,. verzinslich und bis zum Jahre 1949 durch Ankauf oder Auslosung vonStücken zu tilgen. Sie brachte einen Gesamtertrag von 800 Millionen Goldmark.Die Abwicklung des Anleihegeschäfts lag zum großen Teil in den Händen derReichsbank, welche auch fernerhin an dem Dienst für die Anleihe insofern sichbeteiligt, als sie Einlösungsstelle für die fälligen Zinsscheine und verlostenStücke aller über Pfund lautenden Ausgaben ist. Der Valutenertrag derAnleihe wurde vom Reich der Reichsbank überwiesen und verstärkte soderen Devisenvorräte. Daß die Reichsbank den Exporteuren mit Hilfe der Gold-diskontbank Kredite in fremder Währung zu mäßigem Zinsfuß und mit