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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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keiten aufzuhalten, nur mehr die Hauptsätze des Herrn B. berück-sichtigen *).

Uebrigens sagt Herr B. auch hie und da einmal etwas Rich-tiges. So ist er z. B. im Rechte, wenn er die Abschaffung derCoalitionsverbote zuschreibt dem Fortschreiten der gewerblichenEntwicklung und den Forderungen, welche von Seiten der Bildungund Wissenschaft zur Anerkennung gebracht wurden. Es bleibt einewiges Verdienst des Freihändlers und radikalen Politikers JosephHume , dass er ehrlich und kühn A. Smiths Forderungen auch dazur Geltung brachte, wo sie dem Interesse der Unternehmerklassewidersprachen. Denn nicht, wie Herr B. es darstellt, waren es, wie

'') Um das eben behandelte Thema zu vervollständigen will ich hiernur noch zwei Bemerkungen beifügen. Nach Herrn B. (S. 5) war inDeutschland die s. g. sociale Frage bis 1866 nur für die Literatur vor-handen; als politisches Programm trat sie erst mit dem norddeutschenReichstag ins Volksbewusstsein. Auch dies ist eine neue Auffassung fürDiejenigen, welche die deutsche Arbeiterbewegung bisher genauer verfolgten.Nach der Ansicht dieser giebt es in Deutschland ein politisches Arbeiter-programm seit Lassalles Vortrag im Berliner Handwerkerverein vom 12. April1862; mit Lassalles Tod i. J. 1864 trat eine merkliche Stockung in die vonihm geführte Arbeiterbewegung, deren Nachwirkung 1867 indess noch immerso stark war, dass sie eine Anzahl Lassalleaner in den ersten Reichstag alsAbgeordnete brachte. Aber in den ersten Jahren nach Lassalles Tod gingdie Arbeiterbewegung sichtlich zurück, und erst seit dem mit Beendigungdes Krieges eintretenden Aufschwung der Industrie ist sie, freilich inwesentlich veränderter Gestalt, wieder mehr hervorgetreten. Sodann nochein paar hierhergehörige Illustrationen von Herrn B.s Behandlung der Ge-schichte:Die Erweiterungen des englischen Stimmrechts in 1832 und 1867waren Ergebnisse der erweiterten Anschauungen, die in der Gesammtheitdes europäischen Staatslebens zum Durchbruch gekommen waren. NachJohn Bright , einem in Herrn B.s Augen gewiss klassischen Zeugen, istes notorisch, dass die Reformbill von 1832 vom Parlamente nur angenommenwurde, weil eine Revolution vor der Thür stand (vgl. Briglits Speeches ,Authors Pop. Ed. 1869 pp. 296. 328. 351. 396), und ebenso war, insbeson-dere nach Einreissung cjes Gitters des Plyde Park, die Furcht die Hebe-amme der Reformacte von 1867. Herr B. (S. 4) lässt ferner, um eineneffectvollen Gegensatz zu den Congressen von Karlsbad (1819), Verona (1822)und Aachen (1818) zu gewinnen, das Parlament den Ausschuss, aus dessenVorarbeiten die Abschaffung der Coalitionsverbote im J. 1824 hervorging,imAnfang der zwanziger Jahre niedersetzen. Allein der Ausschuss, ausdem das Gesetz von 1824 hervorging, wurde in demselben Jahre 1824, der,aus welchem das Gesetz von 1825 hervorging, 1825 niedergesetzt. (Vergl.F. D. Longe, An inquiry into the law of strikes.)