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schaftlichen Fragen, sie betonten, dass diese letzteren nicht ausser-halb des Gesammtzustands eines Volkes behandelt werden dürften, dassethische und allgemein politische Rücksichten vor den ökonomischenvorgehen“, wurde ich deshalb von Herrn Oppenheim im „Hamb.Corresp.“ (27. Jan. 1872) und von Herrn A. Meyer in der „BreslauerZeitung“ (17. März 1872) angegriffen.
Nach dieser Auseinandersetzung wird eine „Volkswirtschaft aufethischen Grundlagen“ dem Leser wohl so wenig als „erhabenerUnsinn“ erscheinen, dass ich vielmehr seinen Vorwurf erwarte, es seidamit nur Altes und Selbstverständliches gesagt. Und in der Thatwird damit nichts gesagt, was nicht schon alle oben genannten Schrift-steller sagten. Nur der deutschen Freihandelsschule Vergessen undVerneinen der untergeordneten Stellung der Volkswirtschaftlichengegenüber ethischen und allgemein politischen Interessen konnte zuihrer Wiederbetonung veranlassen, eine Wiederbetonung, die um sonothwendiger scheint, als Lasker am 15. Februar dieses Jahres imAbgeordnetenhause mittheilte, dass einzelne Theile des Volkes für dasGefühl der Ehre im wirtschaftlichen Leben halb abgestumpft seien.„Mir ist selbst“, sagte er, „aus diesen Kreisen mitgetheilt worden,dass sie in jüngster Zeit vielfach über die Grenze zwischen Rechtund Unrecht ins Unklare gekommen sind und dass viele von ihnenselbst die Gelegenheit zur Bestimmung willkommen heissen, um be-urteilen zu können, wie weit sie das Schickliche verletzt und ein-gehalten haben.“
Betrachten wir nach den vorstehenden allgemeinen Auseinander-setzungen noch wenige Einzelausstellungen, die Herr Bamberger anden sog. Katheder-Socialisten macht. Da muss ich vor Allem gegenHerrn Bamberger’s Bemerkungen über die Frage, über welche derStreit zwischen Katheder-Socialismus und Manchester -Schule ent-brannt ist, Einsprache erheben. Herr B. behauptet hierüber: 1) DieKatheder-Socialisten stimmten mit den Social-Demokraten darinüberein, dass sie eine sociale Frage in deren Sinn als zu Recht be-stehend anerkennten, nämlich eine Frage, die gleichbedeutend seimit der Antwort, dass es systematisch möglich sei, alles wirthschaft-liche Elend, die Armuth im eigentlichen Sinne aus der Welt zuschaffen. 2) Eine sociale Frage in diesem vollen Sinne existire näm-lich nur für den, welcher auch eine sociale Antwort kenne. 3) DieNationalökonomie alten Styls spreche nicht von einer socialen Frage,weil sie keine Antwort kenne, die Socialdemokraten stellten die so-