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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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ciale Frage, weil sie behaupteten, im Besitz der socialen Antwortzu sein; der Katheder-Socialismus allein verkünde die sociale Frageohne die sociale Antwort.

Nach dieser Auslassung besteht ein merkwürdiger Unterschiedzwischen Herrn B. und anderen Menschen: Für andere Menschenhört die Existenz von Fragen auf, in dem Augenblicke, in demihnen die Antwort auf dieselben bekannt ist; für Herrn B. entstehtumgekehrt die Frage erst mit der Antwort auf dieselbe. Aber ab-gesehen von dieser geistreichen Absurdität habe ich schon frühergesagt, dass ich die sociale Frage keineswegs fasse als die Fragenach Beseitigung alles wirthschaftlichen Elends, und ebensowenigwie von mir, wird sie von irgend einem anderen sog. Katheder-So-cialisten auf diese Weise gefasst. Dagegen hat allerdings die eng-lische Manchesterschule die sociale Frage im Sinne der Social-demokraten proclamirt, wenn diese, wie Herr B. sagt, identisch istmit der Antwort, dass es systematisch möglich sei, alles'wirthschaft-liche Elend aus der Welt zu schaffen: denn in dem Millennium,welches in Folge der systematischen Durchführung der Freihandels-principien in Aussicht gestellt wird, soll keinerlei wirthschaftlichesElend mehr existiren. Drittens endlich haben wir schon früher ge-sehen, dass Herrn Bambergers Vorwurf, dass der Kathedersocialis-mus ohne Antwort auf die sociale Frage bleibe, lediglich daraufberuht, dass

Lhonneur de contredire a pour lui tant de Charmes,

Quil prend contre lui-meme assez souvent les armes.

Denn, wie schon früher gesagt, steht dieser Vorwurf in grellem'Widerspruch zu den wüthenden Invectiven, mit denen Herr B. sichgegen die Lösungsmittel wendet, die ich in Anregung brachte. Oderist es etwa eine mit jenem Vorwurf vereinbare Tirade, wenn Herr B.S. 70 ruft, ich suche den Reichstag zu bereden, auf gesetzlichemWege das zu versuchen, was bis jetzt nur den Wortführern descommunistischen Classenkrieges als letztes Ideal vorschwebte: dieEinrichtungen der englischen Gewerkvereine auf Grund einer demo-kratischen Dictatur im französischen Geiste socialer Projectenmachereivon Staatswegen alsArbeitskammern einzuführen? Uebrigenswill ich, wenn der Leser nach diesem aufregenden Ausruf seininneres Gleichgewicht bewahrt hat, um einer nüchternen Erklärungfolgen zu können, kurz auseinandersetzen, was denn Herrn B. sowüthend entflammt hat.