I.
„Hier findet jeder, was er will“, urtheilt Herr Bambergerüber die Gilden des Mittelalters auf S. 17 seines’Buches, und aneiner andern Stelle desselben (S. 44) sagt er von der historischenForschung: „Die Speculation über weit zurückragende und weitverbreitete Erscheinungen kann, wie jeder weiss, in dieselbe hinein-tragen, was ihr am besten schmeckt.“ Es ist dies eine originelleAuffassung der Geschichte, und ihres Studiums oder wenigstens eineAuffassung, die uns in Deutschland recht fremd ist. Seit Rankeund Waitz haben wir uns gewöhnt von einer „exacten“ Methodehistorischer Forschung zu reden. Wir sehen in dieser Methode ge-rade das Gegentheil des Specuürens und „Construirens“ (Bamberger,S. 45). Wir halten das mittelst derselben erlangte Resultat für dasEntgegengesetzte des Willkürlichen. Allein nach Herrn Bambergerbefinden wir uns offenbar im Irrthum: „L’histoire c est une fableconvemie sagen unsre Nachbarn, bei denen Herr Bamberger solange gelebt hat; und bei der Rückkehr aus ihrem Lande brachte• er nicht nur diese Auffassung zu uns zurück: er verbesserte sie, in-dem er sie übersetzte: Ueber Geschichtliches fabulirt man, wie esconvenirt. — Den Beweis hiefiir geben einmal seine obigen Aeusse-rungen über die historische Methode und deren Resultate; .nochdeutlicher aber geht dies aus seiner eigenen Art und Weise, Ge-schichte zu schreiben, hervor.
Ein vorzügliches Beispiel dieser Art der Geschichtschreibunggiebt Herr Bamberger gleich auf den ersten Seiten seines Buchs.Da begegnet uns eine Menge von Kenntniss heuchelnden und geist-reich schillernden Sätzen, unter denen auch nicht einer ist, der nichtschief oder nach Unwahrem schielend oder geradezu unrichtig wäre.Der Hauptgedanke ist, wie schon erwähnt, dass ein Zusammenhangbestehe zwischen der Ausdehnung des Stimmrechts und der Gesetzgebungfür die Arbeiterklasse. Aber was soll mit diesem Gedanken ge-