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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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sagt sein? Soll damit nur bemerkt werden, dass nach Reformenauf dem Gebiete der Wahlgesetzgebung häufig Gesetze zur Beseiti-gung von Beschwerden der Arbeiterklasse erlassen werden, so istoffenbar gar nichts gesagt, wenn nicht gleichzeitig behauptet wird,dass ohne derartige Reformen solche Gesetze nicht erlassen werden.Denn offenbar ist ohne die gleichzeitige letztere Behauptung derganze Satz eine sinnlose Arabeske. Als solche ist der Satz aberschwerlich beabsichtigt, vielmehr erscheint er als Consequenz undTräger einer Grundauffassung über die Arbeiterfrage, die auch ananderen Stellen bei Herrn Bamberger durchschillert (vgl. S. ioi, 75,110, 83) und die vom Standpunkte der alten ökonomischen Schuleaus nothwendig ist, dass es nämlich gar keine Arbeiterfrage gäbewenn sie nicht durch Agitationen seitens Angehöriger der höherenGesellschaftsklassen in den Arbeitern angeregt würde. Wird dannaber gleichzeitig Jenes behauptet, wird es gleichsam als historischesGesetz hingestellt: ohne Reform des Wahlrechts keine Gesetzgebungzu Gunsten der Arbeiterklasse und mit jeder Reform des Erstereneine grössere Fürsorge für die Letztere, so ist der Satz einfach falsch.

Herr Bamberger beruft sich zunächst für den von ihm behaup-teten Zusammenhang auf englische Autoritäten. Inenglischen Ab-handlungen werde auf denselben verwiesen und die englischenSchriftsteller über Arbeiterangelegenheiten knüpften vor Allem andie Reformacte von 1832 an. Aber warum hat Herr Bambergerdie Namen dieser Abhandlungen und Schriftsteller so neidisch ver-schwiegen? Ich wäre ihm wirklich dankbar für die Bereicherungmeiner Literaturkenntniss, welche mir die Nennung derselben ge-währen würde. Denn weder bei Ure, Gaskell, Wade, Longe,.Watts, Macdonald und wie die englischen Schriftsteller überArbeitergesetzgebung alle heissen, habe ich diesen Gedanken ge-funden, und beinahe möchte ich meinen, Herr Bamberger habe ihnaus einer rein äusserlichen Betrachtung des Buches meiner FreundeLudlow und Jones über den P'ortschritt der Arbeiterklasse von18321867 geschöpft. Mit der Reformacte von 1867 erhielt näm-lich die englische Arbeiterklasse endlich Einfluss auf die Wahlenund zur Orientirung, ob und welche Veränderung gegenüber derpolitischen Gestaltung seit 1832 hiervon zu erwarten sei, entstandjenes Buch. Diesem Umstande ist es zu danken, dass jene Schrift-steller ihre Darstellung mit dem Jahre 1832 beginnen. Dabei hebensie aber ausdrücklich hervor (Progress of the Working Ciass, pp. 7,8)