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gegangen war (18. April 1871). Wiederholt wurde derselbe an eineCommission verwiesen, welche mit unerheblichen Veränderungen dievorgelegte Fassung dem Reichstag zur Annahme empfahl. Indessenkam der Reichstag nicht zur Behandlung des Entwurfs. Bei allendiesen Berathungen tauchte nach Herrn B. nur hie und da eineAnspielung auf, dass der Gesetzentwurf ins sociale Gebiet übergreife.Ja als der Abgeordnete Greil die sociale Saite der Aufgabe anschlug,wurde er ausgelacht. (Bamberger, S. 155—158.)
Ganz anders als Schulze - Delitzsch am 17. April 1872 seinenEntwurf zum vierten Male vorbrachte. Gleich bei der ersten Le-sung trat hier die Abneigung gegen den Entwurf zu Tage, weilderselbe auch den Gewerkvereinen zu Gute kommen würde. Erwurde an eine Commission verwiesen, deren schliesslich zu Standegekommenes Produkt an allen Ecken und Enden nur den halb-wegs unterdrückten Ansatz zu einem Special-Gesetz über Gewerk-vereine verrieth. Aber auch diesen Commissionsentwurf nahm derReichstag nicht in Berathung, „jedenfalls eine bezeichnende That-sache“, sagt Herr B. (S. 166) „und nichts weniger als ein blosserZufall.“
Beim nächsten Auftauchen, meint Herr B. (S. 73), werde derGesetzentwurf ohne Zweifel die Debatte ins volle offene Land dersocialen Frage hineintragen. „Unter den jetzigen Umständen, undgerade nach dem vorausgegangenen und wachsenden Wider-streit der Richtungen“ (S. 171) würde jedoch seine Annahmedurch den Reichstag „einen ganz anderen' Sinn und eine andereTragweite“ haben, als seine Annahme durch den NorddeutschenReichstag i. J. 186g, und deshalb plaidirt Herr B. für seine Ver-werfung.
Nun geht gerade aus der vorstehenden Darstellung des HerrnB. schlagend hervor, dass der Schulze’sche Entwurf von Anfang anmit den sog. Kathedersocialisten nichts im Geringsten zu thun hat. Esist also klar, dass I-Ierr B. die Verwerfung nicht beantragen kann,weil durch die Annahme des Entwurfs dem „Homunculus der socia-listischen Studirstube der Ehrenbürgerbrief für’s deutsche Reich mitGlanz überreicht werden würde“ (S. 267), sondern nur weil auch diesog. Kathedersocialisten dem bereits viermal berathenen Entwurf ihreZustimmung gaben. Er wendet sich nicht blos gegen die Annahmedes Entwurfs auf Grund einer „literarischen Novität“, er fordertVerwerfung auf Grund dieser „literarischen Novität“; mit andern
Brentano, „"Wissenscbaftl.“ Leistung. N c