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schreiten, von denjenigen Fällen scheidet, in denen es die Pflichtdes Staates ist, sich des Einschreitens zu enthalten. In alten Zeitenwar die die Regenten bedrohende Sünde unstreitig eine ungeregelte-Neigung zum Einmischen. Der Gesetzgeber sagte den Leuten be-ständig, wie sie ihre Laden halten, wie sie ihre Felder bestellen,wie sie ihre Kinder erziehen, wie viele Gerichte sie auf ihren Tischenhaben, wie viel die Elle sie für das Tuch geben sollten, worausihre Röcke gemacht wurden. Er versuchte beständig, irgend einem.Uebel abzuhelfen, das nicht eigentlich in seinem Bereich fiel, unddie Folge war, dass er die Uebel vergrösserte, denen er abzuhelfenversuchte. Die von Theuerung unzertrennliche Noth schmerzte ihnso, dass er Gesetze gegen Vorkaufen der Plöker machte, und so-die Theuerung in eine Hungersnoth verwandelte. Die Schlauheitund Hartherzigkeit der Geldausleiher ärgerte ihn so, dass er Gesetzegegen Wucher machte, und die Folge war, dass der Aufborger, der,wenn er unbeschützt geblieben wäre, Geld zu zehn p. C. bekommenhaben würde, unter dem Schutze es kaum zu fünfzehn p. C. be-kommen konnte. Einige ausgezeichnete Staatsphilosophen des vorigenJahrhunderts stellten mit grosser Geschicklichkeit die Thorheit einersolchen Gesetzgebung ans Licht, und indem sie das thaten, leistetensie der Menschheit einen grossen Dienst. Es hat eine Reaction statt-gefunden, eine Reaction, die ohne Zweifel viel Gutes erzeigt hat,die aber, wie die meisten, nicht ohne Uebel und Gefahren gewesenist. Unsre Staatsmänner können jetzt nicht der Vielgeschäftigkeitbeschuldigt werden. Aber ich fürchte-, dass, selbst bei Einigen derBefähigtsten und Redlichsten unter ihnen, eine Tendenz zu dementgegengesetzten Fehler besteht. Ich will ein Beispiel von demgeben, was ich meine. Vor fünfzehn Jahren wurde es klar, dassdie Eisenbahnen bald, in jedem Theile des Königreiches, die altenHochstrassen in grossem Maasse ersetzen würden. Die Bestimmungdes Zuges der neuen Strassen, welche die ganzen Hauptstädte,Häfen und Schiffsarsenale der Insel verbinden sollten, war eineSache von der höchsten nationalen Bedeutung. Aber zum Unglückweigerten sich Diejenigen, die für die Nation hätten handeln sollen,sich einzumischen. In Folge dessen wurden zahlreiche Fragen,welche in der That öffentliche Fragen waren, welche die öffentlicheBequemlichkeit, das öffentliche Gedeihen, die öffentliche Sicherheit betrafen, als Privatfragen behandelt. Dass die ganze Gesellschaftdabei interessirt sei, ein gutes System der inneren Communicationzu haben, schien vergessen zu sein. Der Speculant, der eine grosseDividende für seine Actien brauchte, der Grundeigenthümer, dereinen grossen Preis für seine Aecker brauchte, erlangte ein vollstän-diges Angehör. Aber Niemand meldete sich, um in Betreff des-Gemeinwesens gehört zu werden. Die Wirkungen dieses grossen Irr-thums empfinden wir, und werden nicht :'so).bald aufhören, sie zuempfinden. Wenn ich mich nicht irre, sind wir in Gefahr, - heute