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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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119
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Jedermann freistehen, wohlfeil zu kaufen und theuer zu verkaufen.Warum darf ich denn da nicht ein Haus so wohlfeil aufführen, alsich kann, und meine Zimmer so theuer vermiethen, als ich kann?Eure Lordschaft liebt keine Eläuser ohne Schleusen. Nehmen Siedaher keines von den meinigen. Sie halten meine Schlafkammernfür schmutzig. Niemand zwingt Sie, darin zu schlafen. BedienenSie Sich Ihrer eigenen Freiheit; aber beschränken Sie die Ihrer Nach-barn nicht. Ich kann gar manche Familie finden, die gern einenSchilling die Woche für die Erlaubniss bezahlt, in dem, was Sieeine Hütte nennen, zu leben. Und warum sollen sie nicht solchObdach haben, als ich ihnen für diesen Schilling schaffen kann?Warum schicken Sie einen Mann, ohne meine Zustimmung meinHaus zu säubern, und zwingen mich dann, für etwas zu bezahlen,was ich nie bestellt habe? Meine Miethsleute glaubten das Haussauber genug für sich, sonst würden sie nicht meine Miethsleutegewesen sein, und da sie und ich zufrieden waren, warum mischtenSie Sich, allen Grundsätzen des Freihandels direct zum Trotze, unteruns ein? Dieses Raisonnement ist genau aus einem Stücke mitdem Raisonnement des ehrenwerthen Mitgliedes für Montrose undmeines ehrenwerthen Freundes des Mitgliedes für Sheffield. Wennder edle Earl mir gestatten will, seine Vertheidigung zu übernehmen,so glaube ich, dass er die Einrede so beantworten würde:Ich

halte, würde er sagen,an der richtigen Lehre des Freihandels.Aber ihre Freihandelslehre ist eine Uebertreibung, eine Carricaturder richtigen Lehre, und durch Ausstellung einer solchen Carricaturbringen Sie die richtige Lehre in Miscredit. Wir würden nichts mitden Verträgen zwischen Ihnen und Ihren Wirthsleuten zu thun haben,wenn diese Verträge blos pecuniäre Interessen berührten. Aber eshandelt sich um höhere als pecuniäre Interessen. Das Gemeinwohlist dabei interessirt, dass die grosse Masse des Volkes nicht in einerWeise lebt, die das Leben elend und kurz macht, die den Körperschwächt und den Geist befleckt. Wenn grosse Mengen unsererLandsleute sich durch das Leben in Häusern, welche Schweineställengleichen, die Gewohnheiten der Schweine angeeignet haben, wennsie so vertraut mit Schmutz und Gestank und Verpestung gewordensind, dass sie ohne Widerwillen in Höhlen kriechen, die jedemMenschen von reinlichen Gewohnheiten den Magen umkehren wür-den, so ist das nur ein hinzukommender Beweis, dass wir zu langeunsre Pflichten versäumt haben, nur ein hinzukommender Grund,dass wir sie jetzt erfüllen.

Zweitens sage ich, dass es, wo die öffentliche Moral betheiligtist, die Pflicht des Staates sein kann, sich in die Verträge der In-dividuen zu mischen. Nehmt den Handel mit unsittlichen Büchernund Gemälden. Will Jemand leugnen, dass der Staat, angemesse-ner Weise, diesen Handel verbieten kann? Oder nehmt den Fallmit den Lotterien. Wir wollen annehmen, ich habe ein Gut, für