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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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welches ich zwanzigtausend Pfund zu bekommen wünsche. Ichkündige meine Absicht an, tausend Loose, jedes zu zwanzig Pfund,auszugeben. Der Inhaber der Zahl, die zuerst gezogen wird, solldas Gut haben. Aber die Obrigkeit schreitet ein; der Vertragzwischen mir und den Käufern meiner Loose wird annullirt, und ichwerde genöthigt, eine schwere Busse dafür zu bezahlen, dass icheinen solchen Vertrag gemacht. Ich berufe mich auf das Principdes Freihandels, wie es von den ehrenwerthen Gentlemen den Mit-gliedern für Montrose und Sheffield erklärt worden. Ich sage zueuch, den Gesetzgebern, die meine Freiheit beschränkt haben:Was habt ihr damit zu thun, zwischen einem Käufer und einemVerkäufer einzugreifen? Wenn ihr die Speculation für eine schlechtehaltet, so nehmt keine Loose. Aber verbietet nicht anderen Leuten,für sich selbst zu urtheilen. Gewiss würdet ihr antworten:Sie

würden Recht haben, wenn dies eine blosse Handelsfrage wäre;aber es ist eine Moralfrage. Wir verbieten Ihnen, über Ihr Eigen-thum in dieser besonderen Weise zu verfügen, weil es eine Weiseist, die zur Ermunterung einer höchst verderblichen Richtung desGeistes dient, einer Richtung des Geistes, die mit allen den Eigen-schaften, von denen das Wohlsein der einzelnen und der Nationenabhängt, unverträglich ist.

Es muss daher, wie ich denke, zugegeben werden, dass, wodie Gesundheit betheiligt ist und wo die Sittlichkeit betheiligt ist,der Staat gerechtfertigt ist, wenn er sich in die Verträge der Ein-zelnen einmischt. Und wenn dies zugegeben wird, so folgt, dassder Fall, mit dem wir es jetzt zu thun haben, ein Fall zur Ein-mischung ist.

Wird es geläugnet werden, dass die Gesundheit eines grossenTheiles der aufwachsenden Generation durch die Verträge, welchediese Bill zu regeln bestimmt ist, ernstlich berührt werden kann?Kann irgend Jemand, der die uns vorliegenden Aussagen gelesenhat, kann irgend Jemand, der jemals junge Leute beobachtet hat,kann irgend Jemand, der sich seiner eignen Empfindungen, wie erjung war, erinnert, bezweifeln, dass zwölf Stunden des Tages Arbeitin einer Fabrik zuviel für einen dreizehnjährigen Burschen sind?

Oder wird es geläugnet werden, dass dies eine Frage ist, beiwelcher die öffentliche Sittlichkeit interessirt ist? Kann irgend Je-mand bezweifeln ich bin gewiss, keiner von meinen Freundenum mich herum bezweifelt es dass Unterricht eine Sache vonder höchsten Bedeutung für die Tugend und das Glück eines Volkesist? Nun wir wissen, dass es keinen Unterricht ohne Müsse gebenkann. Es ist augenscheinlich, dass, wenn man von dem Tagezwölf Stunden für Arbeit in einer Fabrik und die weiteren zur Be-wegung, Erholung und Ruhe nöthigen Stunden abzieht, nicht Zeitgenug für den Unterricht bleiben wird.

Ich habe jetzt, wie ich meine, gezeigt, dass diese Bill nicht