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Sinken der Handschriftenpreisc.
noch 1514 dort eine Henne für 1 Pfennig, ein Pfund Rind- oder Kalb-fleisch für 2 Pfennige, Brot für drei Menschen per Tag für 3 Pfennige,ein Pfund Käse für 3 Pfennige und ein Maß besten Weines für Z Kreuzer.Daß also die spätern Bücher bei ihrer massenhaften Herstellung bedeutendbilliger waren, ist eine auf der Hand liegende Thatsache, allein Parallelenund Vergleiche lassen sich nicht ziehen. Die Ausbildung des Geschäfts,die gegen Ende der Periode täglich zunehmende Konkurrenz und die da-durch bedingte reichlichere Versorgung des Marktes mit neuen Schriftendrückte natürlich in erster Linie die Preise. Wenn 1279 eine in Bo-logna geschriebene Bibel 80 Lire (gleich 343 Mark heutigen Geldes)kostete, so wurde 1493 eine Liblig. Is-tina", auf 319 Pergamentblättergeschrieben, in Breslau für 4 Gulden (im jetzigen Gelde 40 Gulden) ver-kauft. Im 14. Jahrhundert betrug in Italien der Durchschnittspreiseines vollständigen „Lorpris Mris" 480 Mark; 1451 brachte ein solchesin Florenz 14V- Dukaten (gleich etwa 90 Mark nach dem Münzfuß von1464). Um 1400 kostete ein auf 115 Pergamentblätter in Folio ge-schriebenes «Aemplar des Justin, Sallust und Sueton 16 florentinischeDukaten (gleich 100 Mark), 1467 dagegen wurden für Terenz' „Komö-dien", 198 Blätter in Folio (allerdings auf Papier), in Heidelberg 3 Gulden bezahlt, und 1499, wo die Buchdruckerkunst schon überall blühte,ward eine Handschrift von Euripides ' „Hecuba" und Theokrits „Idyllen"(134 Blätter auf Papier, in Quart) für 2 Gulden verkauft. DieseBeispiele werden hinreichen, um das allmähliche Heruntergehen der Preisenachzuweisen.
Bei derartigen Voraussetzungen war also, wie bereits bemerkt, derBesitz von nur einigen Dutzend Bänden auch in reichern Klöstern undStiften schon eme Seltenheit. Da wo eine Bibliothek bestand, war siemeistens durch Schenkungen und Legate eines kunstliebenden höhern Geist-lichen oder sonstigen Gönners oder durch Gaben frommer Leute insLeben gerufen worden. Bestimmte Mittel für Anschaffungen waren garnicht vorhanden oder wenigstens nicht angewiesen, und nur selten findensich in den Kloster- und Kapitelrechnungen vereinzelte Posten über denAnkauf einer Handschrift. Es war eben mit den Jahren der Sinn fürvie Litteratur immer mehr ersterben. Bischof Wernher von Straßburg(1002—27) schenkte der dortigen Münsterbibliothek etwa 50 wertvolle,meist aus dem 10. Jahrhundert stammende Codices, darunter einige