Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

W>.jnl dcrseldciu

sErstcs

bcrgS straßburgcr Thätigkeit auf die Anfertigung von Spiegeln uudSpiegclrahmcn. Diese Auffassung scheint jedoch nicht ganz zutreffend zusein; vielmehr ist daran festzuhalten, daß der Meister auch schon inSlraßbnrg mit Vorarbeiten uud Versuchen für dcu Bücherdruck bcschästigt gewesen ist. Hätte er sich nämlich lediglich der Anfertigung vonSpiegeln und Spiegelrahmen gewidmet, so würden Dritzehn und Heilmann gar nicht nötig gehabt habeu, ciucu ncnen Vertrag mit Gntcnbcrgabmschlicßcn, da dieser ohnehin schon kontraktlich verpflichtet war, sie inallen Einzelheiten jener, durchaus nicht als Geheimnis geltenden Fertig-keit zu unterweisen. Andererseits geht aus den Zeugenaussagen unzwei-deutig hervor, daßdie Künste und Afeuturen", zu dcreu Mitteilungsich t^ntcnberg gegen Zahlung eines neuen Lehrgeldes in jenem drittenVertrage anheischig machte, geheim waren und geheim bleiben sollten.Ältere Forscher dagegen,, wie A. E. Umbreitoder die neuesten, wieA. Whß'", folgern ans den in den Zeugenaussagen vorkommenden tech-nischcn Ausdrücken, wie Blei, Drücken, Presse und Formen, daß hierthpographische Arbeiten gemeint und jedenfalls von Guteubcrg schon inStraßburg in Angriff genommen seien.

Es drängt sich hier zunächst die Frage auf, was die Worte Blei,Drücken, Presse und Formen mit den dazugehörigen Stücken in der hiergebrauchten Verbindung bedeuten? Der Goldschmied Dünne bekundetnämlich, daß er vor etwa drciZahrcn (vor dem Prozeß also um 143t>,von Gutenberg an 1(X> Gulden verdient habe für das, ivaS zum Druckengehöre. Vou der Linde erklärt hier mit Recht, daß das Blei zumSpiegelmacken ebenso unentbehrlich ist wie zum Schriftgießcn, und daßGutenbcrg eS für seine Spiegel und Formen gebraucht habe, von welchletztem sicherlich nicht einmal, sondern häufig welche cingeschmolzcn seien.Dünne könne ebenso gut, wenn nicht besser, einzelne Formen und Bilderfür GutcubergS Spiegel gedruckt haben, zu ciuer Zeit, wo die Bilder-,Brief- und Kartcudrucker so ost den Beistand der Goldschmiede in Ansprnch nahmen und wo diese zugleich Bildschnitzer und Formscimeiderwaren. Das Wort drucken sei zudem im 14. und 15. Jahrhundertlangst im Gebrauch gewesen und später mir auf den Druck der Bücherübertragen worden. Dann aber dürfe nicht übersehen werden, daßDünne ausdrücklich seine Geschäftsbezichungen zu Guteuberg in das Jahr1436 setze, also in eine Zeit) welche dem dritten und letzten Vertrage vom