Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

Kapitcl.j

Presse und Formen.

3!)

Sommer 14M vorausging und der Periode des Spiegelmachens vielnäher liegt.

Größere Schwierigkeit verursacht die Erklärung der Stellen, welchevon der vom Drechsler Konrad Saspach in der Krämergasse angefertig-ten (also jedenfalls hölzernen) Presse und den dazu gehörigen Formenhandeln. Andreas Dritzehn arbeitete in seiner Wohnung, in welchersich bei seinem Tode auch diese Presse befand. Schon kurz vor Weih-nachten hatte Gutenbcrg seinen Diener Lorenz Bcildeck dahin und zuAndreas Heilmann mit dem Auftrage gesandt, alle Formen zu holen,welche er dann in Gegenwart des Anton Heilmann einschmolz (zerließ).Kurz nachdem Andreas Dritzchn gestorben, erschien der genannte Dienermit dem Ersuchen seines Herrn bei Nikolaus Dritzehn, diese Presse nie-mandem zu zeigen, die daran befindlichen beiden Schrauben aber auf-zudrehen, wodurch die vier Stitcke auseinandcrfielen, und diese dannin oder auf die Presse zu legen, damit niemand sehen könne, was essei. Als aber Nikolaus nach den Stücken suchte, hat er, wie es heißt,nichts gefunden. Von der Linde bringt auch diese Andeutungen mit derSpiegelfabrikatiou in Verbindung und denkt sich unter den vier Stückengcpr gte Metallwände eines Spiegelkästchens mit etwas freien, nach demherrschenden Zeitgeschmack sogar leichtfertigen Bildern.^ Man mußihm allerdings in der Annahme beipflichten, daß unter diesen Formenkein aus gegossenen Lettern gebildeter Satz eines abzudruckenden Buchesverstanden werden kann. Einmal wäre dieser iu Kolumnen abgeteilteSatz ohne ein ihn zusammenhaltendes Bindemittel auseinandergefallen,dann läßt Gutenbcrg dem Dritzehn nicht sagen, diese Stücke nochmalsin ihrc Bestandteile zu zerlegen, endlich aber verstand man damals unterFormen feste Tafeln, auf welche man Bilder einschnitt, um sie mittelsReibens abzudrucken. Beim Tode Gutenbergs wurden von KonradHumery Formen und Buchstaben ausdrücklich von einander geschieden.Bewegliche Buchstaben, wie das die ältern Schriftsteller vielfach voraus-set-en, werden nirgends genannt, können also auch nicht gemeint gewesensein; allein ebenso willkürlich ist die Boraussetzung Lindes von demAuseinandernehmcu der angeblichen Spiegelwände. Ohne dem Spiel derPhantasie einen zu freien Flug zu gönnen, kann man angesichts dermangelhaften Zeugenaussagen nur beklagen, deß man über die eigentlicheNatur des Geschäfts nichts weiß, voraussichtlich auch nichts erfahren wird.