50
Gutenbergs Verbindung mit Humery.
^Erstes
Forderung verpfänden ließ. Wenn nun Gutenberg sich über die un-mittelbare finanzielle Einträglichkeit seiner Erfindung namentlich deshalbtäuschte, weil sie anfangs höchstens lotweise wieder einbrachte, was pfund-weise an Herstellungskosten und beim Geschäftsbetrieb daraufging, sokann man doch Fust vom geschäftlichen Standpunkte aus nicht zumuten,daß er unter dieser falschen Rechnung leiden soll.
Übrigens wurde es Gutenberg nicht schwer, einen andern Kapitalistenfür sich zu gewinnen, denn nach der obenerwähnten zweiten Urkundenimmt man an, daß er, nachdem er so glänzende Beweise von der Aus-führbarkeit seiner Erfindung gegeben hatte, einen solchen in der Persondes Dr. Konrad Humery fand, welchem ex gleichfalls seine Druckereials Pfand verschrieb. Man glaubt ferner, daß Gutenberg nun ganzneue Typen gegossen und außer zwei kleinen undatierten Schriften vonMatthäus de Cracovia und Thomas von Aquino nur wenige Jahrespäter (1460) ein drittes Riesenwerk zu Stande gebracht habe. Es wardies die berühmte erste Ausgabe des „L!g.t1ic>Iioon", einer damals sehrbeliebten und vielgebrauchten grammatikalisch-lexikalischen Kompilationdes Dominikanermönchs Johannes Balbus aus Genua , ein Foliant von373 zweispaltigen, enggedruckten Blättern, der übrigens im Schnitt derTypen, der Regelmäßigkeit des Satzes und der Eleganz der Ausstattungbedeutend hinter der zweiundvierzigzeiligen Bibel zurücksteht. Die seit-dem in den Wiegendrucken ziemlich allgemein gewordene lateinische Schluß-schrift des Druckers lautet auf Deutsch wörtlich: „Unter 5cm Beistanddes Allerhöchsten, auf dessen Wink die Zungen der Kinder beredt wer-den und der oft den Kleinen offenbart, was er den Weisen verbirgt, istdieses vortreffliche Buch Latlioliooll im Jahre der Menschwerdung desHerrn 1460 in der guten Stadt Mainz , angchörig dem ruhmreichendeutschen Volke, welches die Gnade Gottes mit so hohem Geisteslichteund freiem Gnadengeschenke den übrigen Nationen vorzuziehen und be-rühmt zu machen für würdig gehalten hat, nicht vermittelst des Rohres,Griffels oder der Feder, sondern durch der Formen (Matrizen) wunder-volles Zusammenpassen, Verhältnis nnd Ebenmaß der Patronen (Patri-zen) gedruckt und vollendet worden. Darum sei Dir, heiliger Vater,dem Sohne samt dem heiligen Geiste, als dem dreifochen und einigenGott, Lob und Ehre gegeben. In den frommen Lobgesang der Gemeindestimme auch durch dieses Buch mit ein, .der es nimmer unterlasse, die