Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
63
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Kapitel.)

Wandlung nach Auftreten des Humanismus.

und Schulbücher abdruckten und stets neu auflegten, so sicherten sie sichauch die Freundschaft nnd Unterstützung des lehrenden Klerns und seinerSchüler, der Studenten und der Gelehrten, die sich fortan mit demmühsamen Abschreiben der Texte und Handbücher nicht mehr abzumühenbrauchten. Wenn schon gleich im Anfang der Ausübung der Kunst einPrachtdruck fünfmal und beim Eintritt in das letzte Viertel des 15. Jahr-hunderts selbst achtmal billiger herzustellen war als eine schön illu-minierte Handschrift desselben Werkes, so verringerte sich dies Verhältnisin den gewöhnlichen Ausgaben um das Zwanzig- uud Dreißigfache; derGewinn aber kam der Bildung und Wissenschaft zugute.

Dieses für beide Teile günstige Verhältnis änderte sich jedoch in demAugenblick, in welchem die Humanisten, länger als ein Menschenaltervor der Reformation, die Autorität der Kirche und die Unfehlbarkeit desPapstes angriffen. Natürlich blieb Rom die Antwort nicht schuldig.Fortan eiferten übereinstimmend hohe und niedere Geistlichegegen dieboshaften oder unklugen Menschen, welche die Bnchdrnckerkunst zur Ver-wirrung der Geister mißbrauchten, gegen die falschen Erklärer der Heili-gen Schrift, welche nur ihr eigenes Licht leuchten lassen wollten"; jetztentdeckten sie plötzlich, daß alle Irrlehren durch die falsche Auslegungder Bibel entstanden seien", und verboten deren fernere Verbreitung, dadas unerfahrene Volk an der Lektüre der Heiligen Schrift Ärgernisnehmen würde. 4! Kurz, die herrschende Kirche besann sich auf ihreneigentlichen Charakter und verfolgte nun die von ihr unabhängige Presse.

Allein es war zu spät. Als Rom die riesige Kraft der unscheinbarund bescheiden ins Leben getretenen Macht voll zu würdige» anfing, ließsich ihr Siegeszug uicht mehr hemmen. Die vatikanischen Blitze zün-deten nicht mehr.

Im Gegensatz zu diesen vornehmen und nach außen hin sogar mäch-tigen Feinden war der Umschwung der Geister ein so gewaltiger, derLern- und Bildungstricb infolge der Erschließung des lateinischen undgriechischen Altertums ein so reger, das Verlangen nach litterarischenHilfsmitteln eiu so lebhaftes, daß auch äußerlich die Handschriftenhändlerdiesem allgemein gefühlten Bedürfnis nicht mehr genügen konnten uuddaß alle in ihren kleinen Interessen nicht bedrohten Volksklassen der Er-findung Gutenbergs freudig entgegenjanchzten. Die tiefe geistige Um-wälzung ließ sich nicht mehr bannen. Die Menschheit fing an, sich