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^Zweites
also ohne Gefahr für die Drucker, hergestellt wurde. Der geschäftlicheErfolg dieses Werkes war ein so glänzender, daß bereits zwei Jahrespäter eine neue Auflage veranstaltet werden mußte. Während der Er-finder Gutenberg verarmt war, verstanden es die beiden GeschäftsleuteFust und Schösfer ganz vorzüglich, die Früchte des Baumes zu ernten,welchen ein anderer gepflanzt hatte. Das „?8a1t6riulli" ist übrigensdas erste Druckwerk, auf welchem Tag, Jahr und Namen des Druckersangegeben sind. Nach Fusts Tode wurde es von Schöffer noch zweimalin den Jahren 1490 und 1502 und später von dessen Sohn Johannebenfalls noch zweimal in den Jahren 1515 und 1516 verlegt. Biszum Eintritt der Mainzer Katastrophe druckten Fust und Schösfer nochdes Dominikanermönchs Guillielmus Durandus „Kationa-Is vivirwrunaOköoiorurQ" (1459), den „Lodsx Lollstiintionnm LIsmöQtis ?g,xg,s"(1460), die Bulle des Kaisers Friedrich III. gegen Diether von Jsen-burg (vom 10. August 1461) und das Manifest des letztern gegen Adolfvon Nassau (1462). Daß sie als vorsichtige Geschäftsleute für beideParteien arbeiteten, kann bei dem Charakter Fusts und Schöfsers nichtweiter auffallen. Ihr schönstes und bedeutendstes Verlagswerk aus dieserZeit bildet die 1462 vollendete lateinische sogenannte achtundvierzig-zeiligc Bibel in zwei Foliobänden.
Nach diesem Bibeldruck blieb die Firma fast zwei Jahre unthätig.Vom siegreichen neueu Kurfürsten aus der Stadt gewiesen, müssen Fustund Schösfer nach dem benachbarten Frankfurt gegangen und gegenEnde 1463 zurückberufen worden sein, denn schon 1464 lieferten sie denAblaßbrief des Papstes Pius II. vom 11. November 1463 gegm dieTürken. Am 17. December 1465 folgte 5as sechste Buch der Dekre-talen Bonifacius' VIII. in Folio, und in demselben Jahre zum erstenmal ein lateinischer Klassiker, „Lieero cls OkLoiis", in klein Folio, wel-cher bereits am 2. Februar 1466 zum zweiten mal aufgelegt wurde undder letzte Druck der Firma Fust und Schöffer war.
Schon nach Beendigung der zweiundvierzigzeiligen Bibel von 1455soll Fust nach Paris gereist sein, um sie dort zu verkaufen. Diese An-nahme ist nicht erwiesen, hat aber viel Wahrscheinlichkeit für sich.Schöffer war als ehemaliger Bücherabschreiber an der dortigen Uni-versität thätig gewesen, mit den einschlägigen Verhältnissen, namentlichaber den hohen Preisen für geschriebene Bücher aus eigener Erfahrung