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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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Kapitel.)

Mainz : Schöffers Geschäftsnachfolger,

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ersten deutschen Übersetzung des Livius vorgedruckt hatte, daß Guten-berg 1450 die Kunst erfunden habe, während sie Fust und Schöffer später teilweise verbessert hätten. In jener kritiklosen Zeit gewannenaber die Johann Schöfferschen Fälschungen größer« Kurs und verdräng-ten bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts, ja darüber hinaus, selbst denNamen Gutenbergs aus dem Gedächtnis der Nachkommen. Die mythen-bildende Phantasie schuf sich sogar noch bis auf die neueste Zeit einDreigestirn von Erfindern, welches, wie in Frankfurt a. M. zu sehenist, Gutenberg, Fust und Schöffer auf einem Erzstandbilde vereinigte.Madden und nach ihm von der Linde ^ gebührt, das große Verdienst,daß sie die allmählichen Übergänge und Fortschritte dieser verleumderi-schen Kriegführung litterarischer, im Interesse Schöffcr's gegen Guten-bergs Ruhm arbeitender Lohnschreiber aufgedeckt haben. Für den Zweckder Geschichte des Buchhandels genügt die Erwähnung der Thatsache,ihre Begründung würde hier zu weit führen.

Im übrigen zeigen sich in der geschäftlichen Thätigkeit Peter Schöffersbereits die Grundlinien, auf denen der deutsche Verlags- und Sortiments-buchhandel sich in der Folge weiter entwickelte: Auswahl der zu ver-öffentlichenden Werke unter bestimmter Rücksichtnahme auf das Bedürfnisund die Bildung der Käufer; Besorgung von Druckaufträgen auf KostenDritter; Ausdehnung des Geschäfts durch Errichtung von Filialen, nichtbloß in Deutschland , sondern auch im Auslande, Verbindung des Sorti-mentsbuchhandels mit dem Verlag; Besuch der frankfurter Messe; öffent-liche Ankündigung der Verlagsartikel mit einer vielfach au Marktschreiereigrenzenden Reklame und endlich Schädigung der Konkurrenten durchNachdruck.

Das Fust-Schöffersche Geschäft bestand gerade 100'Jahre. Seinemersten Druck, dem 1457 erschienenenksalteriniri", folgte als letzter 1557die zweite Auflage des deutschen Livius . Johann Schöffer starb imJahre 1531 und hatte seinen Neffen Jvo Schöffer, dcu Sohn seinesjüngern Bruders, des zweiten Peter Schöffcr, zuin Nachfolger. Zvoerlangte ein kaiserliches Privilegium für den Druck der Reichstags-abschiede und starb l556. Von diesem Jahre an bis l558 führte einVerwandter, Georg Wagner, unter der FirmaJvo Schöffers seligeErben" das Geschäft fort. Letzteres war gegenüber dem schnellen Auf-blühen des Buchdrucks und Buchhandels der Nachbarstädte in der Ent-